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Über die Redewendung "Qui tacet, consentire videtur - Wer schweigt,scheint zuzustimmen" anlässlich der Kampfhandlungen zwischen den israelischen Verteidigungstreitkräften (IDF) und dem miltärischen Arm der pälästinensischen Hamas: Allgemeinplätze, die wenig tauglich sind, Erklärungen abzuliefern. - Es ist selbstredend der Fall, angesichts der verbreiteten Bilder jedes einzelne Menschenleben, das dieser vermeintlich ungleiche Konflikt fordert, zu bedauern und zu beklagen. - Und wenn ich hinzufüge, dass ich darunter alle beteiligten und unbeteiligten Menschen meine, die entweder auf Seiten der bewaffneten Verbände oder der Zivilbevölkerung, zu Tode gekommen sind, wird das von manchem in der heutigen Zeit wohl schon als Provokation aufgefasst werden. - Denn legen die medial verbreiteten Bilder von den getöteten oder schwer verletzten, oder allein völlig traumatsierten Kindern aus Gaza nicht - ohne weiteren Beleg - nahe, wer der allein verursachende Aggressor wäre? - Es ist verführerisch und mancher humanitär argumentierenden Stimme kann ich teilweise beistimmen, dass die Situation der Zivilbevölkerung in Gaza in einer ganz bedrohlichen, ausweglosen Situation Schaden nimmt und dass hier ein humanitär geschützter Bereich, der von Kampfhandlungen verschont bleibt, von beiden Seiten anzuerkennen wäre. - Das setzte aber auch voraus, dass sich die bewaffneten Hamasgruppen nicht ziviler Schutzschilde bedienten. - Aber Michael Wolffsohn hat diese Taktik in der vermeintlich Assymetrie der Auseinandersetzung als unausweicheliches und insofern nicht in aller Deutlichkeit zu beanstandendes Mittel erkannt, ja mit Bedauern konstatiert, dass es einer militärisch unterlegenen Gruppe auch darum gehen könne, zivile Menschenopfer ganz bewusst in Kauf zu nehmen, um somit die andere hochgerüstete Seite moralisch zu delegitimieren. - Ob und in welchem Ausmass das der Fall ist, wieviele sog. Kollateralschäden, bzw. z.B. die Attacken auf UNO-Einrichtungen, in die sich Familien schutzsuschend geflüchtet haben, auf diese Weise zu "erklären" sind, ist ungewiss. - Und: Dass die über 2000 nach Israel abgeschossenen Raketen allein militärische oder logistische Ziele treffen sollten und nicht grosse Teile der israelischen Zivilbevölkerung, scheint mir mehr als unwahrscheinlich. - Es waren am Ende wohl nicht der fehlende Wille, dass es zu keinen grösseren Opfern unter der israelischen Zivilbevölkerung gekommen ist, als an dem effizient funktionierenden Raketenabwehrsystem. -
Einerseits scheinen sich innerhalb des sog. Nahost-Konflikts Szenarien und Konstellationen auf eine gewisse Weise zu wiederholen, die einen vor knapp vier Wochen dazu veranlasst sehen konnten, anstelle schnell alarmistisch in Anwedung gebrachter Superlative abzuwinken, mit der etwas zynischen Denkblase: Alles nicht neu, das ist halt das Ergebnis eines assymetrischen Krieges auf engstem Raum mit den jeweiligen zur Verfügung stehenden Mitteln.- Doch es scheint Anhaltspunkte dafür zu geben, dass es sich um eine neue Eskalationsstufe vor dem Hintergrund völlig veränderter Rahmenbedingungen handelt. - Zwar ist die Welt nicht vollständig aus den Fugen geraten, aber das Erwachen nach dem trügerichen zu allerlei Hoffnung und Fortschrittsglauben berechtigten "Arabischen Frühling"entsprach nicht nur einem schmerzhaften Erkenntnisprozesses, was die Entwicklungsmöglichkeit moderater islamischer Staatenbildungen betrifft, sondern beeinflusste auch den berühmtesten Konflikt, der seit 1948 auch das Ende des Kalten Krieges und seiner Stellvertreterkriege in eine neue Ära hat überführen können. Die national-jüdische Staatengründung, die ihre Wurzeln im letzten Drittekl des 19. Jahrhundert hatte und vorrangig von europäischen Juden als Projekt aufgefasst wurde, dem Europa der Nationalstaaten, die trotz der verbürgten gesetzlichen Rahmen die Zugehörigkeit jüdischer Menschen immer wieder latent bzw. offensiv in Frage stellten, den Rücken zuzukehren und in einem vermeintlich dünn- bis nicht besiedelten Territorium auf einem zu bestimmenden Kontinent einen "Juden-Staat" zu gründen, lässt sich erst durch die dramatischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts, die von den in Euopa ausgehenden Weltkriegen herrührten, verstehen.
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