Mitteilungen aus dem Reich der Versehrten:

Zu den graphischen Arbeiten von R.H. (1941-1980)


 

 
        15.9.76              
 

 

Für die Beurteilung und Einordnung der  Zeichnungen und  Bilder von Renate Hauzenberger ist der Blick auf die durch die Erkrankung beeinträchtigte Biographie unerläßlich.

Gleichwohl soll hier zumindest für einen Moment der Versuch unternommen werden, die zwar unter den Bedingungen der fortschreitenden Erkrankung gefertigten in einer objektiven Begutachtung 

Denn, das Individuum mit den Möglichkeiten seiner Entfaltung sei, selbst unter den die Freiheit einschränkenden .., immer noch eigenständig, das heißt, die gesellschaftliche Konvention, behinderte und kranke Menschen in e

 

 

 

 

 

 

Einer jener Samstage, an denen ich meine Mutter in dem etwa hundert Kilometer von München entfernten Heim besuchte. Es war immer etwas besonderes, ja feierlich ging es zu, wenn sich die Mutter Zeit nehmen konnte für den heranwachsenden. In Wirklichkeit belastete mich aber schon Tage vor der neuerlichen Fahrt, die doch nur eine Vorfreude auslösen sollte, der Gedanke allein. Es fiel mir sehr schwer - darin eine Normalität u sehen, meine Mutter unter all den mich ängstigenden mehrfach behinderten Menschen aufzusuchen. Dann vor Ort benahm ich mich gegenüber den Querschnittsgelähmten, Spastikern, den an Muskelschwund erkrankten natürlich freundlich und zuvorkommend. Aber im Inneren schüttelte es mich, als würde ich erst durch den Anblick der mir fremden Heimbewohner erst zur Kenntnis nehmen, im welchem Zustand sich meine Mutter befand.

Und die junge Frau, meine Mutter, ich weiß heute, wie sehr sie mich an den Besuchen glauben mache wollte, dass es ihr verhältnismäßig gut ginge, ja möglichweise spielte sie mir etwas vor, andererseits waren es Formen eines immer wieder erneuerten  Rendez-vous.  Wir beide zeigten uns von der besten Seite und manchmal gelang es auch für einen längeren Moment, alles auszublenden, was von Nidergang, Leiden und Tod kündete. Dann wurde es ein inniger, ja beinahe intimer Austausch, wobei, wie ich heute ahne, es oftmals gar nicht so sehr um die Inhalte unserer Gespräche ging, sondern eher um die seltene Gelegenheit, sich anzusehen, sich am anderen zu erfreuen. Und ich tat ihr den Gefallen, wurde in ihren letzten Jahren ein guter Schüler, war wißbegierig und verbarg nicht, wie sehr ich mir wünscht ein moralisch gefestigter Mensch werden zu wollen.

Sie, die immer gegen jede auch sprachliche Grobheit vorging, mir da nichts durchgehen ließ, schärfte mir vor allem ein, gegenüber dem Geschlecht, das sie vetrat, den Frauen, stets fair und ritterlich zu sein. Möglicherweise hat mich das später geprägt, aber auch in dem Sinne verunsichert, dass ich immer nur zögerlich, grüblerisch, ja gehemmt im Umgang mit Frauen, das Gegenteil von einem immerwährenden Jäger darzustel´len versuchte.

 

 

 

Es gehört zu den Sonderbarkeiten, dass es einem erst mit dem Abstand vieler Jahrzehnte möglich erscheint, Einblick zu nehmen in eine Biographie einer Frau, deren Leben vermeintlich als Patientin im Vordergrund stand.

In Wirklichkeit existierte reziprok zu der Krankheits- und Leidensgeschichte, von der meine Mutter 24 Sunden täglich in Beschlag genommen wurde, und die nach außen hin wenig eine Form einer, eine ..

Ist es also erlaubt und vielleicht sogar geboten, die die Person völlig vereinnahmende und in den Lebensmöglichekiten auch deformierende Erkrankung als Konstante dieser Jahre mal hintenan zu stellen zugunsten der Überlegung, dass daneben es sich auch um eine eigenständige Entwicklung gehandelt hat..

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Hier entsteht die Seite Annäherung an ein Phantom.

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