Hier entsteht die Seite Fête de la bière.

 

 

 

 

 

 
 

 

Es ist leicht darüber eine Schmähung zu verfassen - seit Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline", jenem kongenialen Volksstück, ist von diesem Ort wahrscheinlich kaum mehr eine erwähnenswerte Illusion und Inspiration ausgegangen.

Eine Frage des Formats, gewiss. - Die sich entblödenden Gesellen eines ökonomisierten Folklore-Gags - zu bestaunen am laufenden Meter, sind sich des reaktionären Kittels gar nicht bewusst, der hier in sämtlichen Falsifikationen rauf und runter getragen wird. - Hippe Stadttöchter und geborene Erben motzen sich runter zur Kirchweih-Maid und zum Bauern-Trottel. - Dazu fliesst der Gerstensaft und tritt in dämliche Konkurrenz zu den überschiessenden Hormonen. - Von verfeinerter Libido, dem leisen Gurren der Liebelei .. 

So belanglos diese Betrachtung auch sein mag, der Verfasser gibt auch zu, dass er in einem anderen Jahrzehnt Kind und Heranwachsender war, dass er also jene damals umgängliche und übliche Abneigung zu falschem Mummenschanz ins neue Jahrhundert hinüber-gererettet hat. Das macht ihn freilich alt - auf gewisse Weise, weil verschworen mit seinem Adoleszenz-Dezennium; aber es zeigt sich auch ein hilfloses Staunen über die Art des kollektiven Charakters, die in dieser Zusammenkunft zu konstatieren ist. - 

Trotzdem: Dazwischen, wenn man den Blick lange genug  schweifen lässt, sich Zeit nimmt, lassen sich auch andere, beinahe melancholische Szenen bestaunen. - Und fast immer ist es das Thema des Einzelnen, der sich sehnt, auf Zeit mit einer amorphen Masse in Einklang zu kommen. - Das eigene kleine Dasein im Windschatten des grossen Rades für einen Sekundenbruchteil aufzuwerten, über die Stadt den Blick gerichtet, Ferne und Künftiges zu sehen. 

Über Kinder kein Wort zu viel. - Wären ihre Stuben zu Hause nicht so überladen mit dem bunten Plastik-Müll, diese Stätte hätte immer noch etwas Paradisisches. - So aber sind schon die gnaz Kleinen abgebrüht und feilschen um vorderen Plätze. - Der Pony-Ritt wird höflicherweise noch belächelt, aber wozu auf eine echtes setzen, die Bekleidung vom Desginer für den 4-Jährigen, das kleine Taschengeld für den Nachmittag, ein kleines Vermögen für zwei Familien anderswo. 

Das alles läuft unter der verräterischen Flagge des Willkommengrusses einer Stadt, die natürlich alles unterlässt, um die "heiligen Kühe" des Fremdenverkehrs in Gefahr zu bringen. - Es ist eine stille posthume Arbeitsteilung des Stadterneuerers, Kunstmäzenaten und Reaktionärs Ludwig I., dessen Hochzeit bekanntermassen auf diesem Fleckchen stattgefunden hat, mit seinem genialisch-kitischigen Enkel, Ludiwg II, der als München-Feind für sich die Voralpenlandschaft entdeckte und neu erfand. - Er ist der ältere Michael Jackson in Königskostüm, indem er sich in eine abgeschottete Zauberwelt zurückgezogen hat, für dieses Mal als Misanthrop und Bauherr von Palästen, Trutzburgen und Grotten, die zu Lebzeiten fast niemand gesehen und betreten. - 

Hier wurde eine sich herausbildende Zivilgesellschaft verspottet, ausgepresst und vorgeführt.- Der Mann im Pfau, der schöne Visconti, der wunderbare Syberberg, weisen natürlich auch auch die nicht intendierte Substanz über den Tag und die eigene Epoche hinaus.- 

 

(In Bearbeitung) TH 30. Novemb. 2011

 

 
     
     
     
     
     
     
     

 

 

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