Auschwitz-Birkenau, Sommer 1991

 

Wie lange noch? Ist es nicht endlich Zeit für einen Schlußstrich? Und diese alten Männer. Die Debatten über Sinn und Unsinn, Recht und Gerechtigkeit von Strafverfahren gegen Nazi-Verbrechern sind so alt, wie es nach dem Mai 1945 vielen maßgeblichen Verbrechern gelungen ist unterzutauchen, teilweise von ihren Familien unterstützt unter falschem Namen ein ruhiges Leben führen zu können.  Bereits die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher und die Nachfolgeverfahren, die sich die Aufgabe stellte, besondere Berufsgruppen bzw. Institiutionen strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, wurden von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung als "Siegerjustiz" verurteilt. Nur wenige begrüßten diesen Reinigungsprozeß, zu dem zu diesem Zeitpunkt ein deutsches Strafsystem nicht in der Lage gewesen wäre. Und schlimmer als das: in den Nachfolgejahren kam es zu einer besonders von den beiden Kirchen geförderten Amnestie-Forderungen gegenüber allen in Landsberg und anderswo zu Freiheitstrafen bzw. zum Tode verurteilten Straftäter, die inmitten des Kalten Krieges dazu führte, dass viele verurteilte Nazis begnadigt, bzw. vorzeitig aus der Haft entlassen wurden. Das paßte auch ins Kalkül der West-Allierten, die seit Beginn des Koreakriegs die Westdeutschen nicht mehr als ehemalige Feinde, sondern als potentielle Bündnispartner der Anti-Kommunistischen freien Welt gebrauchen wollten.

Es gehört zu den Leistungen, aber auch zu dem Versagen der Nachkriegszeit, dass einerseits vor dem Hintergrund einer tendenziell apologetischen Grundstimmung der fünfziger Jahre nur sehr zögerlich eine Strafrechtspflege rückwirkend auf die Zeit des NS-Staats von deutschen Juristen als Aufgabe wahrgenommen wurde. Bzw. dass viele Jahrzehnte es Männern, die sowohl in den sog. "Euthanisie"-Verbrechen als auch in den Verbrechen, die sich vor allem gegen Menschen jüdischer Herkunft in Konzentratuions-und Vernichtungslagern abspielten.

Als im August 1988, im Saal des Landgerichts Bielefeld, das Strafverfahren gegen den ehemaligen Adjutanten des Lagers Lublin-Majadanek, Karl Freidrich Höcker, eröffnet wurde, war ich selbst unter den Beobachtern und Zeuge eines der "letzten großen NS-Prozesse", wie es schon damals hieß. Erst vor kurzem wurde es öffentlich, dass jener damals unscheinbar wirkende Angklagte, der nur zu Beginn seiner persönlichen Einlasung zur Person einige Fragen beanwortete und dann, wie häufig üblich, seiner Verteidigng das Feld überwlies, als Fotograf in Auschwitz mehr oder weniger privat diverse Aufnahmen gemacht hat, deren sensationeller Fund vor kurzem der Welt erstmals hochrangige Holocaust-Täter in ihrer "Freizeit" zeigte.

Von einer guten Bekannten darauf angesprochen, ob nicht die immerwiederkehrenden Politikerreden und Schuldbekenntnisse druch die Kanzler und Bundespräsidenten, nicht hinreichnd die demokratische Gesinnung Deutschlands dokumentiert hätten, wußte ich zunächst darauf keine schnelle Antwort geben. In der Tat: Seit Richard von Weizsäckers 1985-Rede gehört es zum festen Betsandteil ...

 

 

 

Schuld, die nie verjährt

Von Josef Joffe  

 © DIE ZEIT, 14.05.2009 Nr. 21

Ausgabe 21, 2009

 

Demjanjuk und das Grauen der NS-Vernichtungslager: Warum diesem alten, kranken Mann der Prozess gemacht werden muss

Warum einen alten Mann, der niemand mehr etwas antun könnte, vor Gericht zerren? Zur Besserung? Das ist bei einem 89-Jährigen, dem Beihilfe zum Massenmord angelastet wird, keine besonders erhebende Aussicht. John Demjanjuk, der in dieser Woche nach Deutschland ausgeliefert wurde, hätte kaum noch die Lebenszeit, um seine Wiedergutwerdung unter Beweis zu stellen.

Vergeltung und Rache? Im Innersten der Seele wünscht man diesem Mann, wenn er denn schuldig ist, 29000 Tode an den Hals – einen für jeden Menschen, den er in Sobibor mitermordet haben soll. Aber das sind Nachtgedanken in einer Zeit, die den Begriff der Rache – Lex talionis – zugunsten der Resozialisierung aus ihrem Rechtsbewusstsein verbannt hat, jedenfalls dort, wo die Todesstrafe abgeschafft ist.

 

Wenn Strafe nur noch Verwahrung oder Verbesserung ist, das eine aber nicht mehr nötig, das andere nicht mehr möglich ist, warum dann dieses Justiz-Schauspiel im Jahre 64 n.H. (nach Hitler), nach sechs Jahrzehnten, in denen dieser brave (genauer: brav gewordene) Bürger aus Cleveland sich nichts hat zuschulden kommen lassen? Weil Mord nicht verjährt?

An der Menschenwürde hängt alles andere

Das ist richtig, aber doch der Sache nicht angemessen. Die Antwort muss ganz schlicht lauten: um der Wahrheit willen. Und, um einen zynischen französischen Spruch zu bemühen, pour encourager les autres . Sehr frei übersetzt, wäre es der eigentliche Zweck, der Nachwelt im rechtsstaatlichen Ringen um Schuld und Sühne, also bei penibler Beweisführung, immer wieder den moralischen Maßstab vorzuhalten, ohne den keine freie Gesellschaft auskommen kann.

Welchen Maßstab? In dem Film Der Vorleser (2008) provoziert der Juraprofessor Rohl (Bruno Ganz) den jungen Helden Michael Berg (David Kross), der als Student den Prozess gegen die KZ-Aufseherin Hanna Schmitz (Kate Winslet) beobachtet, mit einer tausendfach genutzten Scheinwahrheit: Wie kann denn heute Unrecht sein, was damals rechtens war?

Alle Naziprozesse haben seit den Sechzigern gegen diese positivistische Rechtsauffassung, gegen diese »Filbinger-Finte«, ein höheres Prinzip durchgesetzt. (Der Stuttgarter Ministerpräsident hatte 1978 mit diesem Argument seine Todesurteile gegen Deserteure gerechtfertigt; trotzdem musste er zurücktreten.) Die einen nennen das moralische Prinzip die »Zehn Gebote«, die anderen »Naturrecht«, die dritten »Kantschen Imperativ«, der besagt, dass ein Mensch nie Mittel, sondern immer nur Zweck ist. Das Grundgesetz überträgt den kategorischen Imperativ als »unantastbare Würde des Menschen«.

An der Menschenwürde hängt alles andere (wie etwa das Folter- oder Sklavereiverbot), und deshalb waren, bleiben die Naziprozesse unabdingbar. (Der letzte große fand 1992 in Stuttgart statt.) Es muss den Nachgeborenen stets aufs Neue erläutert, ja eingeimpft werden, welche Taten immer falsch, weil unmoralisch sind, ganz gleich, was die Paragrafen erlauben. Michael Berg, der Vorleser, begreift das zum Schluss und die Aufseherin, seine frühere Geliebte, auch. Deshalb begeht sie nach langer Haft am Tag ihrer Freilassung Selbstmord.

Die Wahrheit verjährt nicht, heißt es. Aber sie verblasst. Denken wir nur an den derzeit prominentesten Holocaustleugner, den iranischen Präsidenten Ahmadineschad, der auf der Genfer »Anti-Rassismus-Konferenz« wie ein Rockstar gefeiert wurde, derweil dort Elie Wiesel als »Zio-Nazi« niedergeschrien wurde. Die politisch instrumentalisierte Holocaustleugnung ist heute eine der gemeinsten Waffen im Arsenal des neuen Antisemitismus.

Der Prozess gegen John Demjanjuk wird abermals beleuchten, was in einem Vernichtungslager wie Sobibor geschah und im Dunkel der Geschichte oder in der Hasspropaganda der Ahmadineschads zu versinken droht. (Die Killer haben beim Rückzug alle Spuren beseitigt.) Vielleicht werden auch die Historiker von diesem Mann neue Einzelheiten über die Motive und die Mordmaschinerie erfahren – zum Beispiel über das Ausmaß der Mittäterschaft aufseiten der osteuropäischen Helfer, die mit Lust und Einsatz gemordet haben. Dieses Kapitel ist noch längst nicht aufgeklärt.

Aber die Sache geht über Juden und Nazis, über Täter und Opfer von damals hinaus. Die Wahrheit dient auch als Warnung für alle, die heute und morgen den Massenmord planen oder gar ausführen. Kandidaten gibt es rund um die Welt genug. Der Fall Demjanjuk, eines Mannes, der sich seit 60 Jahren dem Verfahren entzieht, der mit allen juristischen Tricks die Auslieferung zu verhindern wusste, dieser Fall signalisiert allen Nachahmern: Es gibt kein Entkommen, ganz gleich, wie langsam die Mühlen der Justiz zwischen den Kontinenten mahlen.

Es geht schließlich nicht nur darum, den »Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen«, wie der »Nazijäger« Simon Wiesenthal zitiert wird. Solche Prozesse müssten stattfinden, damit »Verbrecher die Wahrheit bezeugen«. Im Vorleser bezeugte die Auschwitz-Aufseherin und tausendfache Mordhelferin Hanna Schmitz die Wahrheit mit ihrem Geständnis und zum Schluss mit ihrem Freitod. Das Eingeständnis, die Reue und die Sühne sind das Bewegende an diesem Film, nicht die süßliche Liebesgeschichte zwischen dem Jungen und der älteren Frau.

Demjanjuk, wenn er denn schuldig ist, wird wegen seines Alters nicht einmal ins Gefängnis kommen. Aber er muss bezeugen. Er muss erinnern. Und er muss verurteilt werden.

 

 Wahrheit verjährt nicht!

Von H. Prantl  / Süddeutsche Zeitung vom 15.4.2009

 

Mörder kommen nach Jahrzehnten vor Gericht. So will es das Strafgesetzbuch. Der Fall des 89-jährigen John Demjanjuk löst eine Debatte darüber aus, wie lange mutmaßliche NS-Täter verfolgt werden sollen.

Der Mann ist alt, sehr alt; und er ist gebrechlich, tatterig auch, er sitzt im Rollstuhl. Möglicherweise hört er nicht mehr gut, vielleicht kriegt er auch nicht mehr alles mit, was passiert. Einst war, so der Vorwurf, war er Wächter in nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern: Der Haftbefehl bezichtigt ihn der Beihilfe zur Ermordung von zehntausenden Menschen. Damals war John Demjanjuk Mitte 20, heute ist er ein Greis von 89 Jahren. Es ist furchtbar, dass noch heute, nach 65 Jahren, diese Prozesse geführt werden müssen. Ja, es ist furchtbar - dass der Staat und seine Strafverfolgung so lang so säumig waren. So viele Naziverbrecher konnten ein beschauliches Rentnerleben führen: als Gärtner mit Spaten und Schubkarrren in den USA oder als Bienen- und Forellenzüchter in Argentinien. Sie haben ihre Vergangenheit lange verbergen können; das beschämt das Gerechtigkeitsgefühl. Darf man aber andererseits nicht Mitleid haben mit einem alten, kranken, uneinsichtigen Mann? Muss man nun einen Greis ins Gefängnis sperren? Nein, das muss man nicht. Das Recht ist menschlich auch zu denen, die Unmenschen waren. Wenn ein Nazimörder nicht haftfähig ist, wird er ebenso wenig eingesperrt wie ein alter Kinderschänder. Aber verurteilen muss man ihn, wenn er verhandlungsfähig ist, weil Mord nicht verjährt. Verhandlungsfähigkeit ist etwas anderes als Haftfähigkeit. Verhandlungsfähigkeit verlangt nur, dass der Angeklagte dem Prozess vernünftig folgen kann. Das Gericht muss also Rücksicht nehmen auf Alter und Krankheit; es darf den Angeklagten nicht zu Tode verhandeln. Es kann die Verhandlungszeit auf wenige Stunden am Tag und auf nur zwei oder drei Tage in der Woche beschränken. Der Prozess schleppt sich dann dahin, wie sich schon viele Nazi-Prozesse dahingeschleppt haben. Dann wird das öffentliche Interesse schnell müde, noch schneller womöglich als der Angeklagte.                                                                                                                                            Welchen Sinn, so mag sich die Öffentlichkeit fragen, hat die Strafe gegen einen Menschen, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seiner Entdeckung unauffällig gelebt hat? Die modernen Lehren über die Strafzwecke passen hier nicht. Spezialprävention, Generalprävention? Resozialisieren muss man einen Menschen nicht, der, vielleicht weil er jedes Aufsehen vermeiden wollte, vollständig angepasst lebte. Und was ist mit der Abschreckung? Muss man den alten Demjanjuk bestrafen, damit andere von solchen Straftaten abgeschreckt werden und die Welt nicht noch einmal die Rechtlosigkeit der Konzentrationslager erleben muss? Indes: Ob sich der Regierungsverbrecher Robert Mugabe in Simbabwe von einem Schuldspruch des Landgerichts in München beeindrucken lässt?

Mord verjährt nicht

Soll das Landgericht Demjanjuk also in Ruhe und in ein paar Jahren friedlich sterben lassen, soll es die Sache dem jüngsten Gericht und der ewigen Gerechtigkeit überlassen? Mord verjährt nicht. Das Gericht kann also nicht einfach sagen, "lassen wir es gut sein". Mord verjährt nicht, weil der Bundestag vor dreißig Jahren die Unverjährbarkeit beschlossen hat. Es war dies nach 20 Jahren Debatte ein Kompromiss: Das Verjährungsaufhebungsgesetz galt und gilt nicht nur für NS-Morde, sondern für alle Morde. Die Massenmörder der KZs wurden normalen Mördern gleichgestellt. Aber immerhin: Die schlimmsten NS-Verbrecher konnten seitdem weiter verfolgt werden. Zwanzig Jahre lang hatte es immer wieder heftige Versuche im Bundestag gegeben, dies zu verhindern. Dass "auch die anderen" Kriegsverbrechen begangen hätten, war ein gängiges Argument.

Franz Josef Strauß sagte das 1965 so: Die Verlängerung oder Aufhebung der Verjährung bedeute eine "Erschütterung des Rechtsbewusstseins der Menschheit und eine Fälschung der Geschichte, weil man damit dokumentiert, als ob nur die Deutschen allein Kriegsverbrechen begangen hätten"

Drei Debatten gab es, bei denen solche Argumente eine Rolle spielten: 1965 und 1969 wurde die Verjährung nur aufgeschoben, 1979 dann schließlich aufgehoben. Diese Debatten waren Spiegel eines gesellschaftlichen Klimas, in dem das Verständnis für die Täter stärker war als die Bereitschaft, sie für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen. Bezeichnend war der Spottname, mit dem in Juristenkreisen die 1958 gegründete Zentrale Stelle zur Verfolgung der NS-Verbrechen bedacht wurde: "Staatsanwaltschaft Jerusalem, Zweigstelle Ludwigsburg".

Im Jahr 1960 hatte der Gesetzgeber die Verjährungsfrist für Totschlag verstreichen lassen; seitdem sind alle NS-Verbrechen unterhalb von Mord oder Beihilfe zum Mord der Verfolgung entzogen. Bei der Bewertung dieser Verbrechen war die Justiz ohnehin viele Jahre lang großzügig: Sie tat so, als habe es nur einen einzigen Täter, nämlich Hitler gegeben, im Übrigen aber nur Gehilfen. Die Gerichte urteilten so, als habe Hitler persönlich die Juden in die Gaskammern gestoßen. Massenmörder wurden, wenn überhaupt, nur zu wenigen Jahren Zuchthaus verurteilt. Und dann gab es die vielen Fälle, in denen die Justiz mutmaßliche Nazitäter gegen eine Kaution von einer Mark pro Leiche auf freien Fuß gesetzt hat. Auch das ist nun lange her.

Sühne gibt es nicht mehr

Man könnte den Verdacht haben, dass eine Bestrafung der alten Männer die alten Versäumnisse der Justiz ausgleichen soll. Es ist ein falscher Verdacht. Die Schuldsprüche und Strafen, die jetzt noch verhängt werden, sind symbolische Strafen. Sühne gibt es nicht mehr. Der greise Verbrecher wird nicht mehr seiner Strafe "zugeführt"; Strafe erreicht ihn nicht oder kaum mehr. Es geht darum, grauenvolles Unrecht als solches zu stempeln. Hegel hat das als die "Negation der Negation des Rechts" bezeichnet. Die Opfer haben einen Anspruch darauf, dass ihre Mörder nicht ohne staatlich festgestellte Schuld das Zeitliche segnen. Der Schuldspruch ist der notwendige Protest der Gesellschaft gegen die Barbarei.

Elie Wiesel, der Friedensnobelpreisträger, hat beschrieben, wie in einer osteuropäischen Stadt die Bevölkerung zu ihrer Ermordung in den Wald getrieben wurde, Frauen, Männer, Kinder, Alte und Junge. Schließlich, so Wiesel, war da nur noch ein junger Mann, ein Talmud-Schüler, der noch lebte. Die Mörder schossen auf ihn, aber er fiel nicht. Und sie feuerten immer weiter , aber er fiel nicht. Da näherte sich ihm ein SS-Offizier und fragte: "Warum stirbst du nicht?", und der junge Mann sagte: "Ich kann nicht sterben, ich bin der letzte Überlebende". Der Offizier erwiderte in einem Anfall von Zorn und Grausamkeit: "Du Idiot. Die Leute wollen die Wahrheit gar nicht wissen; sie werden dir nicht glauben."

In der Bundesrepublik Deutschland der fünfziger und sechziger Jahre dachten viele so, wie es Elie Wiesel in dieser gespenstischen Szene vorhergesehen hatte. Ein Verfahren wie das gegen Demjanjuk zeigt, dass das nicht mehr stimmt. Ein Prozess gegen den alten Mann ist noch etwas ganz anderes als nur ein Prozess gegen einen alten Mann: Es ist ein Prozess um die Wahrheit. Wahrheit verjährt nicht. Und sie ist dem Menschen zumutbar, auch dem alten.

 Süddeutsche Zeitung vom 15.4.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12. Mai 2009, 16:17, NZZ Online
 

Einer der letzten grossen NS-Verbrecher-Prozesse

Einer der letzten grossen NS-Verbrecher-Prozesse

Demjanjuk soll rasch angeklagt werden

 

Nach der Auslieferung des KZ-Wachmanns John Demjanjuk steht in Deutschland einer der letzten grossen NS-Kriegsverbrecher-Prozesse bevor. Der 89-Jährige traf am Dienstag in einem Ambulanzflugzeug in München ein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord an 29'000 Juden vor. In den nächsten Wochen soll Anklage erhoben werden.

 

(ap/sda/dpa) Die amerikanischen Behörden haben den 89-jährigen mutmasslichen NS-Verbrecher John Demjanjuk in der Nacht in Begleitung eines Arztes nach München geflogen. Dort ist er gegen 9 Uhr 15 gelandet. Auf dem Flughafen ist er ärztlich untersucht worden, bevor ihm die vorläufige Festnahme erklärt wurde. Anschliessend wurde er in das Gefängnis München-Stadelheim in die Krankenabteilung gebracht. «Sofern es der körperliche Zustand zulässt, wird Demjanjuk noch heute der Haftbefehl durch den Ermittlungsrichter eröffnet werden», gab der leitende Oberstaatsanwalt Manfred Nötzel bekannt. Bereits in den nächsten Wochen will die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage erheben.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Demjanjuk vor, 1943 als KZ-Wachmann für die SS im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen bei der Vergasung Zehntausender von Personen geholfen zu haben. Wichtigstes Beweismittel sind ein Dienstausweis Demjanjuks, die Aussage eines anderen Wachmanns aus Sobibor sowie Aufzeichnungen aus dem KZ Flossenbürg, wo Demjanjuk 1944 gewesen sein soll.

Demjanjuk bestreitet Vorwürfe

Demjanjuk bestreitet alle Vorwürfe und behauptet, lediglich in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen zu sein. Sein Pflichtverteidiger Günther Maull sagte, der 21 Seiten lange Haftbefehl werde Demjanjuk auf Ukrainisch verlesen. Er werde ihm raten, sich vorerst nicht dazu zu äussern. Der Verteidiger forderte Demjanjuks Freilassung. Es gebe neben den gesundheitlichen Argumenten gegen eine Inhaftierung des 89-Jährigen auch eine Reihe rechtlicher Aspekte.

Israel und Polen hätten seinen Mandanten bereits vom Vorwurf freigesprochen, KZ-Wächter im Vernichtungslager in Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gewesen zu sein, sagte der Rechtsanwalt Ulrich Busch am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Niemand dürfe zweimal für dieselbe Sache vor Gericht gestellt werden», sagte der Verteidiger weiter. Sein Mandant bestreite, je in Sobibor gewesen zu sein. 

Wettlauf gegen die Zeit

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüsste Demjanjuks Auslieferung und forderte, ihn schnellstmöglich vor Gericht zu stellen. Es sei ein Erfolg mit hohem symbolischem Stellenwert, wenn einer der letzten noch lebenden mutmasslichen NS-Verbrecher in Deutschland zur Rechenschaft gezogen werden könnte, erklärte die Präsidentin Knobloch. «Es geht nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit», betonte sie.

Das Verfahren gegen Demjanjuk wird nach Einschätzung eines der Gründer des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Marvin Hier, wahrscheinlich der letzte Prozess dieser Art sein. «Seine Arbeit im Todeslager Sobibor bestand darin, Männer, Frauen und Kinder in die Gaskammer zu stossen», erklärte Hier. «Er kannte keine Gnade, kein Mitleid und kein Bedauern für die Familien, deren Leben er zerstörte.»

Weitere Verdächtige

Der Leiter der Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen, Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm, erwartet allerdings noch zwei weitere Verfahren. Einer der Tatverdächtigen lebe in Österreich, der andere in den USA. In beiden Fällen gebe es Parallelen zu Demjanjuk, sagte Schrimm gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Der Ukrainer Demjanjuk geriet 1942 als sowjetischer Soldat in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er entschied sich zur Kooperation mit den Deutschen und wurde gemäss den Ermittlungen als «Trawnik» (einheimischer «Hilfswilliger») Aufseher im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen. Im Oktober 1943 wurde er ins Konzentrationslager Flossenbürg im süddeutschen Bayern abkommandiert und war dort bis Dezember 1944 Wachmann mit der Dienstnummer 1393. Nach dem Krieg lebte Demjanjuk in verschiedenen Orten Bayerns.

1952 reiste Demjanjuk in die USA ein. Er gab an, den Weltkrieg als Kriegsgefangener in einem Lager verbracht zu haben. Seinen Vornamen ändert er von Iwan in John, später nahm er die US-Staatsbürgerschaft an.

Auslieferung an Israel

Mitte der siebziger Jahre übermittelten die Sowjetbehörden den USA eine Liste mit den Namen von 70 angeblich in den Vereinigten Staaten lebenden mutmasslichen Kriegsverbrechern. Auf dieser Liste stand auch Demjanjuk. Bei weiteren Recherchen glaubten Überlebende des Todeslagers Treblinka, in ihm den Gaskammerwärter «Iwan den Schrecklichen» wiederzuerkennen. Wegen falscher Angaben über seine Vergangenheit bei der Einreise in die USA wurde ihm 1981 die widerrechtlich «erschlichene» US-Staatsbürgerschaft aberkannt.

Im Februar 1986 lieferte die US-Regierung Demjanjuk an Israel aus. Ein Jahr später begann dort sein Prozess. Am 25. April 1988 endete das Verfahren mit einem Todesurteil. Das Sondergericht sprach Demjanjuk wegen der Beihilfe zum Mord an mehr als 800'000 Juden sowie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen das jüdische Volk schuldig. Der Verurteilte bestritt bis zuletzt, jemals KZ-Wächter gewesen zu sein und bezeichnete sich als Opfer einer Verwechslung.

Aufhebung des Todesurteils

Nach der Verurteilung tauchten neue Beweise auf, die schon früher bestehende Zweifel an der Identität des Mannes zu bestätigen schienen. Am 29. Juli 1993 hob das Oberste Gericht Israels das Todesurteil auf: Seine Identität habe nicht einwandfrei geklärt werden können.

1998 erhielt Demjanjuk seine amerikanische Staatsbürgerschaft zurück. Die Wiedereinbürgerung wurde möglich durch ein Gerichtsurteil, gemäss dem die US-Justiz im Verfahren gegen Demjanjuk entlastende Beweise zurückgehalten habe.

Vier Jahre später entzog ein US-Gericht Demjanjuk erneut die Staatsbürgerschaft. Ein Richter kam zu dem Schluss, dass Demjanjuk in mehreren NS-Konzentrationslagern tätig war. Dem Richterspruch folgten langwierige Berufungsverfahren. Demjanjuk verblieb zunächst als Staatenloser bei seiner Familie in den USA.

Haftbefehl aus München

Das Amtsgericht München erliess am 11. März 2009 Haftbefehl gegen Demjanjuk. Das Bayerische Landeskriminalamt hatte zuvor die Echtheit seines SS-Dienstausweises in einem Gutachten bestätigt. Knapp einen Monat später entging Demjanjuk seiner Abschiebung um Haaresbreite. Amerikanische Beamte hatten ihn bereits in Gewahrsam genommen, als ein Berufungsgericht in letzter Minute den Stopp des Verfahrens anordnete.

Die amerikanische Justiz unterbrach das Abschiebungsverfahren für einige Tage, Demjanjuk wurde eine Frist für eine gründliche ärztliche Untersuchung eingeräumt. Später attestierten die Ärzte, dass ihm ein Flug nach Deutschland zugemutet werden kann. Sämtliche Berufungsanträge Demjanjuks, die seine Auslieferung verhindern sollen, wurden abgelehnt.

Sohn kündigt Rechtsmittel an

Der Sohn des Beschuldigten, John Demjanjuk jr., kündigte am Montag weitere Rechtsmittel in den USA an. «Selbst wenn die Gerichte die Rechtmässigkeit festgestellt haben, ist dies unmenschlich.» Es gebe keinen einzigen Beweis dafür, dass sein Vater je einen Menschen verletzt, geschweige denn ermordet habe», sagte der Sohn.

 

 

Demjanjuk kam 1952 in die USA und erhielt 1958 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie wurde ihm inzwischen aberkannt. Wegen einer Verwechslung mit einem als «Iwan der Schreckliche» berüchtigten KZ-Aufseher in Treblinka sass Demjanjuk in Israel bis 1993 sechs Jahre lang in einer Todeszelle. Der Oberste Gerichtshof Israels sprach Demjanjuk 1993 frei, da die Identität des Angeklagten nicht einwandfrei geklärt werden konnte. Demjanjuk kehrte später in die USA zurück, wo er als Staatenloser bei seiner Familie in Seven Hills bei Cleveland lebte.

Die Trawniki-Männer

 John Demjanjuk wurde 1920 in der Ukraine geboren. Bei Kriegsbeginn wurde er in die Rote Armee eingezogen und geriet im Mai 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Auf der Krim entschied sich Demjanjuk für die Zusammenarbeit mit den Deutschen und absolvierte bei der SS eine «Ausbildung» im SS-Zwangsarbeitslager Trawniki, wo die SS ausländische Hilfstruppen für den Massenmord an den Juden ausbildete. Die rund 5000 Trawniki-Männer waren in diversen Vernichtungslagern wie Treblinka, Belzec oder Sobibór eingesetzt. Laut Überlebenden übertrafen die Ukrainer die SS-Schergen häufig an Grausamkeit und Sadismus. Die ukrainischen Hilfstruppen wurden auch für Massenerschiessungen und Ghettoräumungen eingesetzt, so auch beim Aufstand im Warschauer Ghetto 1943. Nach dem Krieg wurde in der Sowjetunion und in Polen zahlreichen «Trawniki» der Prozess gemacht.

 

 

Monde 13/05/2009 à 06h51 Libération

Demjanjuk in extremis

 

Après trente-deux ans de procédures et de rebondissements, l’Ukrainien, ancien garde de camps nazis, a été extradé hier des Etats-Unis vers l’Allemagne. A 89 ans.

2 réactions

 

AURELIA HILLAIRE

Depuis peu, Demjanjuk apparaissait en fauteuil roulant : pour mieux convaincre de la cruauté que serait son transfert vers l’Allemagne ? La cour d’appel de Cincinnati (Ohio) n’a pas cédé à la démonstration, estimant qu’un avion médicalisé ferait l’affaire. D’autant qu’on l’avait vu quelques jours auparavant se déplacer sans assistance aucune.

Le voilà donc arrivé à Munich (lire page 11). L’ancien garde de camps nazis a enfin été expulsé vers l’Allemagne, qui s’apprête à organiser son procès pour crimes contre l’humanité. Dans la nuit de lundi à mardi, ce vieil homme de 89 ans a quitté la banlieue de Cleveland, dans l’Ohio, où d’Ivan, il était devenu John. Il croyait y terminer sa vie dans la tranquillité qu’on lui avait accordée «au bénéfice du doute». Car la justice d’Israël a déjà jugé Demjanjuk, condamné à mort en 1988, puis acquitté en 1993, lui accordant à regret un sursis de plus de quinze années avant qu’il n’ait à nouveau à rendre compte de son passé.

L’affaire Demjanjuk commence en 1977. L’Amérique est sur le point de donner naissance à l’Office de recherches spéciales (OSI), chargé de démasquer les anciens criminels nazis réfugiés sur son sol. Elle vient de prendre connaissance d’une copie du «document de Trawniki» : une carte, sorte de pièce d’identité délivrée par les nazis à ceux qu’ils entraînaient dans ce camp polonais au «métier» de garde-chiourme. Le matricule 1393 est attribué à un certain Ivan Demjanjuk. Le témoignage d’un de ses compatriotes ukrainiens confirme son passé nazi. C’est le point de départ d’une incroyable saga judiciaire : on retrouve celui qui est devenu «Johnny» en ouvrier mécanicien d’une usine General Motors dans l’Ohio. Sa photo circule parmi les rares survivants de Treblinka. Ils reconnaissent bientôt en lui «Ivan le Terrible», qui sévissait dans le camp. Or, on sait maintenant que Demjanjuk n’était sans doute pas le bourreau de Treblinka.

Pour autant, il n’est pas impossible qu’il ait été un autre «Ivan le Terrible». Le premier poussait à coups de pied, de crosse et de lame les déportés vers les chambres à gaz. Le second pourrait avoir fait exactement la même chose, mais ailleurs. C’est ce qu’explique l’avocat français Serge Klarsfeld, président de l’Association des fils et filles des déportés juifs de France, affirmant détenir les preuves de son activité à Majdanek et Sobibor, en Pologne ; puis à Flossenbürg et Ratisbonne, en Allemagne.

Confondu aux Etats-Unis, acquitté en Israël

Ivan Demjanjuk, né en Ukraine en 1920, est soldat dans l’Armée rouge quand les nazis le capturent au printemps 1942. Qu’advient-il de lui ensuite, dans les deux années qui suivent ? La justice hésite : Treblinka, Sobibor, les deux ? Lui affirme les avoir passées à Chelmno, en Pologne, comme prisonnier de guerre de l’armée allemande. C’est d’ailleurs ce qui lui vaudra son admission sur le sol américain en 1951, avec sa femme Vera et leur fille, Lydia. Déclaré «victime de guerre» lors de son passage par Ellis Island - le centre de réception des immigrés à New York, fermé en 1954 -,Demjanjuk obtient la nationalité américaine. «Il avait sûrement fait enlever son tatouage sous le bras [les nazis se faisaient tatouer leur groupe sanguin sous l’aisselle, ndlr] avant l’examen médical. Et puis, il ne faut pas oublier qu’entre 1945 et 1952, les Etats-Unis étaient favorables à l’accueil des anticommunistes, et encore moins regardants lorsqu’il s’agissait d’un homme grand et fort en état de travailler», décrypte Serge Klarsfeld, le «chasseur de nazis» devenu spécialiste de l’histoire de ces supplétifs recrutés par les SS en Europe de l’Est.

John Demjanjuk installe sa famille à Cleveland, une ville industrielle sur les bords du lac Erié, dans le Middle West. Il se forme au métier d’ouvrier qu’exerçait autrefois son père, et ne rencontre probablement aucun problème à se faire embaucher dans un Etat où l’on recrute à tour de bras. C’est une photographie de cette époque qui est présentée aux survivants de Treblinka.

En 1981, l’OSI convainc un tribunal fédéral de le déchoir de sa nationalité. Cinq ans plus tard, celui que tous nomment «Ivan le Terrible» est extradé en Israël et jugé pour «crimes contre le peuple juif, crimes contre l’humanité et crimes de guerre» puis condamné à mort. Le tout sur la base de la carte de Trawniki et de témoignages poignants de rares survivants du camp. «C’est lui, c’est le bourreau de Treblinka !» Le cri résonne dans le théâtre qui tient lieu de tribunal et précède une litanie d’horreurs déversées à la télévision et à la radio, qui retransmettent le procès. John, redevenu Ivan, répète : «Je ne suis jamais allé à Treblinka !» Et ajoute, comme une ultime provocation : «Mais si je m’y étais trouvé, je n’aurais fait, comme les autres exécutants, qu’obéir aux ordres.» Il sait déjà que le dossier de l’accusation bat de l’aile.

Et en effet, le promis à la potence sera acquitté. Un coup de théâtre de l’histoire : le KGB d’une URSS récemment dissoute verse de nouveaux éléments au dossier. La cour de Jérusalem ne peut passer outre les témoignages de trente-sept auxiliaires ukrainiens des SS de Treblinka : selon eux, «Ivan le Terrible» n’était pas Ivan Demjanjuk, mais Ivan Marchenko, porté disparu. «Il y a une contradiction entre ces documents et les témoignages des rescapés que nous ne pouvons pas résoudre. Le brouillard persiste et peut-être ne pourra-t-il jamais être dissipé», tranche en 1993 le président de la Cour suprême israélienne, Meir Shamgar.

Indignation des anciens déportés qu’on a fait déplacer à la barre, échec d’une nation qui n’aura finalement puni qu’Adolf Eichmann ; le sourire de victoire de Demjanjuk exaspère. Pour Serge Klarsfeld, « l’office américain a été imprudent, mais Israël aussi. Il faut dire qu’à l’époque, les Etats-Unis étaient coupés de la Russie, ce qui ne facilitait pas l’enquête. C’est vrai que les deux hommes se ressemblaient.» Autre fait troublant : Marchenko est le nom de jeune fille de la mère de Demjanjuk. Il l’aurait utilisé pour entrer sur le territoire américain. Se pourrait-il que Demjanjuk et Marchenko soient le même Ivan le Terrible ? «Rien n’est moins sûr, répond aujourd’hui Klarsfeld, Marchenko était un patronyme très répandu en Ukraine à cette époque. Ce n’est qu’une coïncidence.»

L’argument n’a de toute façon pas été soulevé par l’accusation, trop occupée à prouver l’authenticité de la carte de Trawniki ainsi que la ressemblance entre le visage de l’accusé et celui du jeune homme sur la photographie agrafée au document de 1943.

La feuille de présence des bourreaux

L’inculpé n’est pas pour autant blanchi : rejetant son alibi de prisonnier de guerre, la cour a établi avec certitude la fonction de garde de camp assumée par Demjanjuk et sa participation à la «machine d’extermination nazie». Mais la justice estime qu’il ne « pouvait pas être condamné pour d’autres crimes qu’il aurait commis dans un autre camp de concentration», Sobibor, notamment. C’est le nœud juridique de l’affaire : Demjanjuk ayant été extradé sous un chef d’accusation concernant Treblinka, il ne peut donc pas être rejugé sur un autre ! Sans compter la difficulté de recueillir des preuves contre un gardien qui n’appose jamais sa signature nulle part.

L’homme est alors libéré. La tête haute, coiffé d’un chapeau blanc de cow-boy, il remonte dans l’avion pour rentrer aux Etats-Unis. C’est à ce moment précis que l’Association des fils et filles des déportés juifs de France porte plainte, espérant pouvoir l’intercepter lors de son escale à Orly, en septembre 1993. Le dossier est solide, mais «John» Demjanjuk opte pour un vol direct… Cinq ans plus tard, il récupère sa nationalité américaine. Jusqu’à ce qu’en 2002, un nouveau juge la lui retire une deuxième fois : une sanction tardive au mensonge proféré en 1952.

Il faudra alors attendre que le centre allemand de Ludwigsburg - créé en 1958 pour traquer les criminels hitlériens - récupère, fin juin 2008 à Washington, les preuves de la participation de John Demjanjuk à l’assassinat de prisonniers du camp de Sobibor, où il fut affecté de mars à septembre 1943, pour que Berlin puisse émettre un mandat d’arrêt contre lui.

L’Allemagne n’avait jusqu’alors pu prétendre à juger l’Ukrainien : les crimes n’avaient pas été perpétrés sur son territoire, l’accusé n’était pas de nationalité allemande et il n’était pas établi que ses victimes l’étaient. Or, en admettant qu’Ivan Demjanjuk ne soit pas le Terrible de Treblinka, des enquêteurs de la trempe de Klarsfeld ont, de chaque côté du Rhin, rassemblé les preuves de ses activités de gardien de camp. Le puzzle reconstitué, on peut aujourd’hui avancer que Demanjuk est passé par le camp de concentration de Majdanek en janvier 1943, à Sobibor en mars, puis, après révolte du camp, en octobre, il a sévi à Flossenbürg et enfin à Ratisbonne.

Demjanjuk est accusé d’avoir participé à la mise à mort de 29 000 personnes, dont 1 900 Allemands et des milliers de Français, qui faisaient partie des quatre convois partis en mars 1943 de Drancy. Les preuves ? Elles sont bien sûr plus difficiles à rassembler que pour assigner Barbie ou Papon. Mais elles remplissent plusieurs dossiers dans les bureaux des Klarsfeld : « La carte de Trawniki, mais aussi d’autres documents comme une feuille de présence à une distribution de fusils où figure le fameux matricule 1393… Et surtout le témoignage d’un de ses collègues, Ignat Danilchenko, un garde jugé en Europe de l’Est en 1949 qui, à la question "Quel camarade aviez-vous ?" répond : "Ivan Demjanjuk."»

Depuis plusieurs jours, tout est prêt : « Dès qu’il sera expulsé vers l’Allemagne, on y portera plainte. Notre association fera le lien avec les parties civiles françaises», explique Serge Klarsfeld. Le procès de Munich devrait déboucher sur une collaboration franco-allemande en vue du rassemblement des preuves. De même qu’« on n’a jamais jugé un crime soixante-sept ans après les faits dans toute l’histoire de l’humanité ! L’effort de justice est sans précédent, pour un crime sans précédent , se félicite déjà Serge Klarsfeld. En jugeant Demjanjuk, c’est tous les gardiens de camp qu’on assigne devant la justice. L’expulsion menée à son terme, c’est la preuve du crime nazi poursuivi jusqu’au dernier souffle de ses responsables».

 

Tagesspiegel.de
 

URL: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite-John-Demjanjuk-NS-Verbrechen-Sobibor;art705,2796252
[Kommentare: 3]

Sobibor-Häftling

"Demjanjuk muss reden"

Thomas Blatt wirkt erschöpft. Der 83-jährige Jude geht mit unsicheren Schritten. Er leidet unter Depressionen, manchmal stockt er mitten im Sprechen, verliert sich in Gedanken, er allein weiß, wohin. Nur seine Augen sind wach. Immer. Er war Häftling in Sobibor und nun Zeuge im Prozess.
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Thomas Blatt. Foto: A. Hreczuk
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Mr. Wong
Hinter thomas Blatt liegt ein langer Weg. Aus der Heimat in Kalifornien über Berlin, wo er eine Verwandte besucht, bis nach München. Vor dem dortigen Gericht will er als Nebenkläger dem mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk begegnen. Es wird das erste Treffen der beiden Männer sein seit den Tagen im NS-Vernichtungslager Sobibor in Ostpolen, das Blatt als einer von wenigen überlebt hat.

Eine deutsche Zeitung hat einmal beschrieben, wie Blatt als 16-Jähriger seinem Peiniger in die Augen sah. So war es nicht. Demjanjuk aus nächster Nähe zu sehen, wäre einem Todesurteil gleichgekommen. Zu den Aufgaben der ukrainischen Wächter, von denen Demjanjuk einer gewesen sein soll, gehörte es, die Häftlinge in den Tod zu führen. „Sie waren Mörder, die Schlimmsten der Schlimmsten“, sagt Blatt. Tausende nackter Menschen hätten sie in die Gaskammer getrieben, mit Schreien, Bajonettstichen, Schlägen. Die Opfer waren Blatts Eltern, sein Bruder, seine Nachbarn aus dem ostpolnischen Izbica, Juden aus Holland, Deutschland, Russland.

Weil die Toten nicht erzählen können, muss Blatt in ihrem Auftrag berichten – das sei er ihnen schuldig, sagt er. „Viele meinen, Demjanjuk sei alt und krank, es sei unmenschlich, ihn vor Gericht zu stellen. Man vergisst dabei die alten und kranken Menschen, die er mit dem Bajonett in die Gaskammer getrieben hat.“ Und niemand denke an die, die Sobibor bis heute nicht vergessen können, die im Schlaf weinen und schreien.

Demjanjuk war Opfer, bevor er zum Täter wurde. Vor seiner Arbeit als Wächter in Sobibor war er in einem Lager für Rotarmisten inhaftiert, in dem unmenschliche Bedingungen herrschten. Seine Entscheidung, diesem Lager mithilfe der SS zu entkommen, kann Thomas Blatt verstehen – außerdem habe Hitler den Ukrainern ein unabhängiges Land versprochen. Damit aber endet Blatts Verständnis: „Viele der Ukrainer, die von der SS rekrutiert wurden, desertierten, als ihnen klar wurde, was sie tun sollten. Demjanjuk nicht. Er hat es nicht einmal versucht.“

Blatt betont, er werde in München nicht gegen Demjanjuk aussagen, sondern gegen die Wächter von Sobibor. Demjanjuk habe er nur aus der Entfernung gesehen, als einen von vielen, es habe kaum persönlichen Kontakt zu den Wächtern gegeben. Aber nur ihretwegen habe sie funktioniert, die „Mördermaschine“, wie Blatt Sobibor nennt. Das Lager sei anders gewesen als Auschwitz, wo selektiert wurde: die einen in die Gaskammer, die anderen zur Zwangsarbeit. „Sobibor war ein reines Vernichtungslager“, sagt Blatt – eine Einrichtung mit dem einzigen Zweck, ankommende Menschen sofort umzubringen. Auf 250 000 wird die Zahl der Opfer geschätzt.

Blatt und weitere 90 Gefangene überlebten, weil sie einen Aufstand organisierten und flohen. Nur noch etwa zehn dieser Davongekommenen sind heute am Leben. Sie seien „verpflichtet, die Wahrheit zu vermitteln“, sagt Blatt. Er ist der einzige Überlebende, der gegen Demjanjuk aussagen will. Die anderen seien zu alt oder zu krank, um nach Deutschland zu reisen, andere wollen nicht über die schrecklichen Erinnerungen reden. Wieder andere fürchten sich. „Auch ich habe Hassmails bekommen“, sagt Blatt.

Einschüchtern lässt er sich nicht – es gehe hier schließlich, sagt er, um das Ziel seines Lebens. Das sei nicht Rache, auch nicht Gerechtigkeit, für die es zu spät sei. Einzig um die Wahrheit gehe es ihm. „Demjanjuk war ein Zahnrad dieser Maschine. Keiner weiß besser als er, wie sie funktionierte. Das muss er erzählen.“ Immer noch, sagt Blatt, seien die letzten Opfer und Täter am Leben. „Und trotzdem glauben heute viele, dass es den Holocaust nie gegeben hat. Was soll erst werden, wenn wir nicht mehr da sind?“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.05.2009)

 

Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von kleopatra kleopatra ist gerade offline | 13.05.2009 08:41:40 Uhr
Gerechtigkeit wollen und den Rechtsstaat bekommen
 
J, Demjanjuk hat alle Rechte, die einem Beschuldigten und ggf. Angeklagten zustehen, darunter das, zum Tatvorwurf kein Wort zu sagen. Ein rechtsstaatliches Strafverfahren ist nicht darauf ausgelegt, historische Wahrheit zu erfahren, sondern nach strengen Maßstäben zu prüfen, ob es gerechtfertigt ist, einen Angeklagten zu bestrafen; und moralische Vorwürfe gegen einen schweigenden Angeklagten haben in einem solchen Verfahren deshalb nichts verloren. Außerdem kann das Verfahren nur soweit durchgeführt werden, wie der Angeklagte verhandlungsfähig ist usw. Ich fürchte, die vielen, die sich jetzt über J. Demjanjuks Verhaftung freuen, werden an dem Verfahren nicht viel Freude haben.
Comment
von holm holm ist gerade offline | 13.05.2009 11:45:53 Uhr
@kleopatra
 
r e c h t s o ! Danke
Comment
von metua metua ist gerade offline | 13.05.2009 14:57:01 Uhr
@kleopatra
 
Super! Ich denke dieser Kommentar hätte auch fehlen dürfen. Um den Sachverhalt und auch die strafrechtliche Relevanz feststellen zu können muss der Umgebung, der Zeit und der damaligen Rechtslage auf den Grund gegangen werden. Zur Wahrheitsfindung. Sicherlich kann der Angeklagte, soweit die Aussagen ihn selbst belasten, von seinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch machen. Dennoch kann man doch den Wunsch nach Wahrheitsfindung des Herrn Blatt sehr gut nachvollziehen. Ob sich seine Hoffnung erfüllt ist fraglich.
Ansonsten gebe ich insoweit Recht, dass jeder vor dem Gesetz gleich behandelt werden muss...obwohl es angesichts verschiedener Steuerstrafprozesse acuh eher lachhaft ist zu glauben, dass das Realität sei.

      Demjanjuk son: Federal authorities have freed my father             By News Agencies             Tags: Demjanjuk, Haaretz TV                   
The son of John Demjanjuk says the accused Nazi death camp guard has been released from federal immigration custody, after a federal appeals court granted a stay of his deportation to Germany to face charges over the deaths of 29,000 Jews.

The court made the ruling shortly after the frail 89-year-old Ukraine native was removed from his suburban Cleveland home by six immigration officers in a wheelchair earlier Tuesday. Authorities then drove him to a federal building in downtown Cleveland.

Demjanjuk, 89 and in frail health according to his family, was to be flown overnight to Munich where prosecutors accuse him of being an accessory in 1943 killings at Sobibor death camp, an area in Poland then occupied by Nazi Germany.

The Ukraine native was sentenced to death in Israel in 1988 as the sadistic guard "Ivan the Terrible" at Treblinka where 870,000 died. Israel's highest court later ruled he probably was not "Ivan" of Treblinka but U.S. officials then stripped him of his citizenship saying he had worked at three other camps and hid that information at his U.S. entry in 1951.

He was expected to arrive in Munich on Thursday after what would usually be an 8- to 10-hour flight. It was unclear whether he was being transported by commercial or private aircraft or whether stopovers were involved.

Demjanjuk was originally scheduled to be deported on April 5 but won an 11th-hour stay, saying he had spinal problems, kidney failure and anemia, was very weak and needed help to stand up or move about. His son says he has life-threatening problems and sending him to Germany would amount to torture.

The U.S. Board of Immigration Appeals last week revoked a stay that had prevented his deportation and his lawyers filed a last-ditch appeal with a federal court in Ohio to try to get it reinstated.

His deportation was the latest and perhaps last phase of a story played out on three continents for nearly 70 years.

The retired auto industry worker had denied any role in the Holocaust. He said he was drafted into the Russian army in 1941, became a German prisoner of war a year later and served at German prison camps until 1944.

He was first stripped of his U.S. citizenship in 1981 when he was extradited to Israel for trial as "Ivan" of Treblinka but returned to his home near Cleveland in 1993 upon exoneration and his citizenship was restored in 1998.

It was revoked again in 2002 after U.S. Justice Department Nazi hunters said he worked at other camps. He was ordered deported in December 2006 but remained in the country through legal challenges and for lack of demands from other countries to receive him.

Last year Germany's chief Nazi war crimes investigator Kurt Schrimm asked prosecutors in Munich, where Demjanjuk lived before he emigrated to the United States, to charge him with involvement in the murder of 29,000 Jews.

Schrimm said his office had evidence Demjanjuk had been a guard at Sobibor and personally led Jews to the gas chambers.

In March, Munich prosecutors issued an arrest warrant for Demjanjuk and asked the United States to deport him so he could stand trial.

His son, John Demjanjuk Jr., said recently: "Given the amount of suffering and death that was meted out by Nazi Germany, it seems inconceivable that the Germans, who nearly killed my father in combat and again later in POW camps, now want to take him -- so elderly and weak he is unable to care for himself." 



 

Iwan Demjanjuk werd in VS ‘John’

Merlijn Schoonenboom
gepubliceerd op 12 mei 2009 22:15, bijgewerkt op 13 mei 2009 07:28

AMSTERDAM - Als ‘Iwan de verschrikkelijke’ werd Demjanjuk ter dood veroordeeld. Nieuw bewijs pleitte hem vrij. Vervolgens doken aanwijzingen op dat hij kampbewaker was in Sobibor.

Lang werd John Demjanjuk, wiens naam oorspronkelijk Iwan is, gezien als de nazibeul Iwan de Verschrikkelijke uit kamp Treblinka. Inmiddels is duidelijk dat dat iemand anders is geweest, zegt hoogleraar Holocaust- en genocidestudies Houwink ten Cate. In München zal Demjanjuk terechtstaan voor medeplichtigheid aan moord als kampbewaker in Sobibor.

Demjanjuk (1920, Oekraïne) wist zich in 1952 per boot naar Amerika in te schepen. Hij zei slachtoffer van het oorlogsgeweld te zijn, en verwierf in 1958 het Amerikaans staatsburgerschap. Hij noemde zich John en werkte tot zijn pensionering bij Ford. Later kwam hij in het vizier van de Amerikaanse justitie, die steeds probeerde hem naar het buitenland te krijgen, waar hij veroordeeld zou kunnen worden voor nazimisdaden. In Amerika is het niet mogelijk veroordeeld te worden voor misdaden begaan buiten het land zelf.

In 1986 werd Demjanjuk aan Israël uitgeleverd, waar hij in 1988 ter dood werd veroordeeld als ‘Iwan de Verschrikkelijke’. In 1993 dook er echter nieuw bewijsmateriaal op, waaruit bleek dat Demjanjuk niet in Treblinka had gezeten. Hij werd vrijgelaten en keerde terug naar zijn huis in Cleveland.

Dankzij nieuw bewijsmateriaal werd Demjanjuk vanaf 2001 in de VS opnieuw beschuldigd van oorlogsmisdaden, nu als kampbewaker van Sobibor. Men probeerde hem uit te leveren aan zijn geboorteland Oekraïne, maar Demjanjuk wist dat via de rechter te voorkomen. In maart 2009 verzocht Duitsland om zijn uitlevering, een eis die vorige week werd ingewilligd. Aangezien Demjanjuk het Amerikaans staatsburgerschap is kwijtgeraakt, zal hij – wat er ook gebeurt in het proces – in Duitsland moeten blijven.


 

Een van de laatste grote naziprocessen

ACHTERGROND, Van onze verslaggever Merlijn Schoonenboom
gepubliceerd op 12 mei 2009 22:11, bijgewerkt op 13 mei 2009 14:10

AMSTERDAM - Het wordt al ‘het laatste grote proces’ over nazimisdaden genoemd. Het komende proces tegen de 89-jarige John Demjanjuk, de vermoedelijke kampbewaker in Sobibor.

John Demjanjuk, aan wie medeplichtigheid aan de moord op 29 duizend Joden ten laste wordt gelegd, arriveert dinsdag bij de Stadelheimgevangenis in München.
John Demjanjuk, aan wie medeplichtigheid aan de moord op 29 duizend Joden ten laste wordt gelegd, arriveert dinsdag bij de Stadelheimgevangenis in München. (AP)

Dinsdag werd hij door de Verenigde Staten aan Duitsland uitgeleverd.

Het proces heeft ook een ‘enorm belang’ voor Nederland, zegt Johannes Houwink ten Cate, hoogleraar Holocaust- en genocidestudies aan de Universiteit van Amsterdam. ‘Ik zeg niets te veel, als ik zeg dat er in 1943 schade werd toegebracht aan de Nederlandse rechtsstaat.’

Nederlandse betrokkenheid
Op twee manieren is er Nederlandse betrokkenheid bij het proces. Tien Nederlanders, nabestaanden van in vernietigingskamp Sobibor omgekomen Joden, zullen tijdens het proces fungeren als zogeheten mede-aanklagers naast de Duitse officier van Justitie. In totaal zijn er veertien van deze Nebenkläger bij het proces betrokken, drie overlevenden van Sobibor en elf nabestaanden.

Ook heeft Nederland cruciale documenten geleverd voor de aanklacht tegen Demjanjuk. De Duitse justitie gebruikt transportlijsten van Westerbork naar Sobibor, de enige transportlijsten naar het kamp uit die periode die bewaard zijn gebleven. Daardoor kan Demjanjuk medeplichtigheid aan moord op 29 duizend Joden ten laste worden gelegd, in de periode van eind maart tot eind september 1943. Ongeveer 27 duizend van hen hadden de Nederlandse nationaliteit, zegt Houwink ten Cate; de overigen waren Duitser.

Stadelheim
Demjanjuks uitlevering is de ontknoping van maandenlang juridisch getouwtrek. Duitsland heeft de VS in maart om uitlevering verzocht. Demjanjuk vocht dat aan: hij zou te ziek zijn voor de vliegreis en het proces. Vorige week hakte een Amerikaanse rechter de knoop door. Demjanjuk, die sinds de jaren vijftig in Amerika woont, werd maandag per ambulance van zijn huis naar het vliegveld vervoerd. Hij kwam dinsdagochtend in München aan, en is opgesloten in Stadelheim – de gevangenis, merkt de Duitse krant Die Welt op, waarin Adolf Hitler in 1922 gevangenzat. Demjanjuk wordt nu medisch onderzocht.

Niet wraak, maar gerechtigheid, zegt Houwink ten Cate, is de drijfveer van de tien ‘Nederlandse aanklagers’ om mee te doen aan het proces. ‘Waarheidsvinding heeft voor hen primair belang, niet zozeer een lange celstraf.’ Houwink ten Cate treedt op als een van de vier wetenschappelijke begeleiders van de Nederlanders. Hij benadrukt het belang van de aanwezigheid van nabestaanden en overlevenden tijdens het proces, omdat de aanklacht tegen de vermoedelijke kampbewaker daardoor ‘een gezicht’ gegeven kan worden.

Historisch materiaal
Anders dan bij het grote Demjanjuk-proces in Israël, eind jaren tachtig, wordt niet zozeer gebruik gemaakt van ooggetuigenverslagen, als wel van historisch materiaal. Een deel ervan dook pas in 1991 op, na de val van de Muur, vertelt Houwink ten Cate. Zo vermeldt een identiteitsbewijs van een SS-opleidingskamp dat Demjanjuk naar Sobibor wordt gestuurd.

Demjanjuk aangekomen in Duitsland

Van onze buitenlandredactie
gepubliceerd op 12 mei 2009 08:04, bijgewerkt op 12 mei 2009 14:43

WASHINGTON - De van oorlogsmisdaden verdachte John Demjanjuk is aangekomen in Duitsland. Het toestel met de 89-jarige man landde dinsdagochtend op het vliegveld van München. Hij wordt in de loop van de dag overgebracht naar een gevangenishospitaal in de Duitse stad.

De kleindochter van Demjanjuk houdt een laken voor haar opa, terwijl hij de ambulance wordt ingedragen. Demjanjuk werd maandagavond uitgeleverd aan Duitsland.
De kleindochter van Demjanjuk houdt een laken voor haar opa, terwijl hij de ambulance wordt ingedragen. Demjanjuk werd maandagavond uitgeleverd aan Duitsland. (EPA)

Demjanjuk was maandagavond (lokale tijd) vertrokken vanaf de luchthaven van de Amerikaanse stad Cleveland. Demjanjuk, naar verluidt een bewaker in het vernietigingskamp Sobibor, zal in Duitsland worden aangeklaagd voor de moord op 29 duizend joden tijdens de Tweede Wereldoorlog. Na zijn gevangenneming door de Duitsers, zou hij de rest van de oorlog hebben vastgezeten.

Demjanjuk werd in 1993 na een spectaculair proces in Israël vrijgesproken van gruwelijkheden in het nazi-vernietigingskamp Treblinka. Zestien jaar later verschijnt de 89-jarige opnieuw voor een buitenlandse rechter nadat hij voor de tweede keer door de Verenigde Staten is uitgeleverd.

Verwacht wordt dat de rechtbank in Duitsland zich eerst zal buigen over de vraag of de vermeende Nazi-beul wel gezond genoeg is om terecht te staan. Volgens zijn Duitse advocaat, Guenter Maull, zal Demjanjuk na zijn aankomst naar de Stadelheim-gevangenis worden gebracht waar een rechter hem het uitgebreide arrestatiebevel zal voorlezen.

Zwijgen
‘Ik heb begrepen dat het 21 pagina’s lang is’, aldus Maull. De advocaat heeft Demjanjuk aangeraden volledig te zwijgen. Daarna zal een dokter de Oekraïner onderzoeken. Als hij te ziek wordt bevonden, zal Demjanjuk naar een ziekenhuis in de omgeving worden overgebracht.

De bejaarde arbeider zal de rest van zijn leven moeten doorbrengen of in de gevangenis of in een bejaardenhuis in Duitsland. Een van de bewijsstukken waar de rechter in Duitsland zich over zal buigen, is een identiteitskaart waarop staat dat Demjanjuk een bewaarder was in Sobibor. Hieruit blijkt dat hij ook zou zijn getraind in een SS-kamp voor bewaarders in Trawniki. Beide kampen lagen in het door Duitsland bezette Polen.

Demjanjuk werd in 1920 als Ivan geboren in de Oekraïne, toen deel van de Sovjet-Unie. Vanaf 1940 diende hij in het Rode Leger en werd gevangen genomen door Duitse troepen. De latere rechtszaken tegen hem draaiden om de vraag wat hij tussen 1942 en 1945 deed. Zelf zegt Demjanjuk dat hij twee jaar doorbracht in krijgsgevangenschap en in 1944 onder dwang lid werd van een militaire eenheid die door de nazi's werd gefinancierd.

Tekst loopt door onder video

Emigreerde
In 1951 emigreerde Demjanjuk naar de Verenigde Staten en vestigde zich met zijn vrouw en kinderen in de staat Ohio, waar hij werkte als automonteur. In 1958 kreeg hij een Amerikaans paspoort.

Eind jaren zeventig besloot de Amerikaanse justitie - getipt door de Russische KGB - zijn staatsburgerschap te ontnemen omdat hij zou hebben gelogen over zijn oorlogsverleden. In het vernietigingskamp Treblinka zou hij als kampbewaarder uitzonderlijke wreedheden hebben begaan. Daaraan had hij zijn bijnaam Ivan de Verschrikkelijke te danken.

De VS leverden Demjanjuk in 1986 uit aan Israël, waar hij na een jarenlang proces werd veroordeeld voor misdaden tegen de menselijkheid, misdaden tegen het Joodse volk en oorlogsmisdaden. Hij kreeg de doodstraf opgelegd.

Vijf jaar later nam het Israëlische Hooggerechtshof echter de argumenten van Demjanjuks advocaten over dat er sprake was van een persoonsverwisseling. Op basis van verklaringen van andere ex-bewakers en gevangenen zou zijn gebleken dat de achternaam van 'Ivan de Verschrikkelijke' niet Demjanjuk, maar Marchenko was geweest.

Paspoort
De monteur keerde terug naar Ohio en kreeg zijn Amerikaanse paspoort terug. In 1999 werd hij echter opnieuw aangeklaagd. Demjanjuk zou dan weliswaar niet Ivan de Verschrikkelijke zijn geweest in Treblinka, maar weldegelijk bewaker in Sobibor en Maidanek, twee andere vernietigingskampen. Een rechter stelde de openbaar aanklager in het gelijk en in 2004 raakte Demjanjuk opnieuw zijn paspoort kwijt.

De VS wilde hem uitleveren aan zijn geboorteland Oekraïne. Demjanjuk vocht succesvol zijn uitzetting aan. Hij zei bang te zijn in de Oekraïne gemarteld te worden.

Duitsland vroeg in maart om zijn uitlevering. Op 14 april werd Demjanjuk uit zijn huis gehaald, maar hij zou te zwak zijn om vervoerd te worden. Dat bleek later mee te vallen en op 8 mei werd alsnog besloten dat Demjanjuk uitgeleverd zou worden. Demjanjuks advocaat maakte daarop bekend dat hij zijn strijd tegen uitzetting staakte.

 

HAARETZ

Speaking up about Sobibor
By Assaf Uni
Last Update: 01/12/2009 02:32
 

MUNICH - Rudie Cortissos came to Munich with an old picture of his mother. He was born in 1939, at the start of World War II, but he never got to know her. When he was a baby, his Jewish family had to go underground in Amsterdam to escape the Nazis. His mother hid in one attic, his father in another hiding place and Rudie - who was named Shlomo Cortissos at his birth - was given to a foster family that called him Rudie Oort and concealed his Jewish origin. "One of my earliest memories is of going to church and praying," he told Haaretz yesterday.

Rudie never got to know his mother because one day, in the spring of 1943, she came out of hiding for a few hours.

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"She suffered from asthma and was restless," Cortissos said. He managed to extract the details of what happened from his father after the war.

Apparently, a neighbor who knew she was Jewish and informed on her to the police, who sent her to the Westerbork transit camp on the way to her death at Sobibor.

"My mother sent my father two letters from Westerbork," Cortissos said. "My father died relatively young in 1959 and the two letters are in my possession. They are dearer to me than anything. In the first letter my mother describes the conditions at Westerbork and how she was turned in to the Germans. She asks my father, 'How is Salo?' - that was my nickname - and she tells him, 'Please give him a little kiss from me.' She wrote the second letter right before she boarded the train to the east. She threw it into the street without a stamp but it arrived."

Like most Western European Jews during that period, she was oblivious to the fact that she was being sent to her death. "She wrote to my father, 'Don't worry, we will be strong. We are going to the east, we are going to work,'" Cortissos said, in visible pain. On May 18, 1943 the train left for the east, to Sobibor.

Much evidence concerning all that happened to the passengers at the end of several days on the train has been gathered over the years, some of it from testimony from top Nazis who were put on trial.

The exhausted passengers arrived at Sobibor, where they were told it was just a transit station on the way to resettlement in the east.

In fact, it was a death camp that had been built just a few months earlier as part of Operation Reinhard, which was intended to annihilate the Jews of Europe as part of the Final Solution.

The deception was planned to go on for a long time: In several cases the SS encouraged Jews to write postcards saying they had arrived at the camp and the conditions there were good. They even hung flower boxes to beautify the camp for the eyes of future victims.

The Jews were told they had to undergo disinfection and they were made to remove their clothing and hand over their possessions.

The perimeter of the camp was guarded by non-German armed guards. After the Jews removed their clothing the guards and the SS men became more violent. They pushed the Jews along a fenced outer path to the gas chambers.

Inside the sealed chambers the victims choked to death on piped-in exhaust gases. The few who survived the death camp said they could hear the victims' cries throughout the camp. After the wailing ceased, the doors of the gas chambers were opened, the corpses of the Jewish victims were incinerated and their ashes scattered, or else they were buried in mass graves.

Emmy Cortissos, Rudie's mother, was one of a quarter of a million victims there.

According to the indictment in the trial that began in Munich yesterday, among those who had a part in her murder at Sobibor was John (Ivan) Demjanjuk.

Forty co-prosecutors

Demjanjuk is accused of having been one of the 120 non-German guards, among whom were former Soviet soldiers working for the SS at the camp.

According to the prosecution, Demjanjuk, who was born in Ukraine, enlisted in the Soviet army, was taken prisoner by the Germans, underwent training at the Trawniki camp (which prepared guards for concentration and death camps), volunteered for the SS and was sent to Sobibor in March of 1943 for a period of at least six months.

In court, he will face Rudie Cortissos as one of the 40 "co-prosecutors," a special status in the German legal system that enables relatives of murder victims to participate in the legal proceedings.

In the group that got organized over the past year there are Sobibor survivors like Jules Schelvis, who survived the camp but lost his wife there, and Philip Bialowitz of the United States, who was forced to become part of the Sonderkommando that dealt with the corpses of the murdered.

Nineteen of the co-prosecutors arrived in Munich Sunday and will participate at the trial.

"We wanted to give a voice to the victims," said Prof. Cornelius Nestler, who is representing the Dutch victims' relatives. "It is, after all, impossible to understand 27,000 murder victims from them, but it is possible to understand and identify with each case individually. We did not want the attention to be focused on the 'old man' Demjanjuk - who is on trial for the second time - but rather on the deeds for which he is responsible."

Cortissos said he has prepared for the trial.

"I have been cutting articles about Demjanjuk out of the newspapers since 1970," Cortissos said. "I have researched Sobibor to the best of my ability and the moment I heard about Demjanjuk's extradition I contacted the organization for the perpetuation of the memory of Sobibor victims in Holland and within 24 hours they told me about the prosecutors' group."

The fact that he is a part of the group has helped him and the other prosecutors.

"I am not certain I could have done this alone, going to Munich and reporting to the court on my own," he said.

Cortissos found the picture of his mother he carries with him everywhere in Munich in a family photo album. The album survived the Holocaust, the people photographed in it did not. Sixty-four of his relatives were murdered.

"My victory is the family I have established," Cortissos said, "my two children and my four grandchildren."

But he is also waiting for the moment when he will be able to speak, in German, to the court and tell his family's story. "This I am doing for my mother," he said.

 

30.11.2009   

Schrift

 

 

DIE TAZ

Das Verfahren ist wegweisend

Nicht der letzte seiner Art

KOMMENTAR VON KLAUS HILLENBRAND

Das Verfahren gegen John Ivan Demjanjuk ist eine Premiere. Zum ersten Mal wird in Deutschland einem mutmaßlichen ausländischen Helfer, der den Nazis beim Völkermord an den Juden zur Seite stand, der Prozess gemacht. Dass es erst jetzt dazu kommt, blamiert die bundesdeutsche Nachkriegsjustiz. Demjanjuk aufgrund seines hohen Alters heute nicht mehr anzuklagen, hätte allerdings bedeutet, den schlafmützigen Ermittlern aus der Adenauer-Ära nachträglich Recht zu geben. Solange Demjanjuk verhandlungsfähig ist, gilt für ihn wie für alle anderen der Grundsatz: Mord verjährt nicht.

Das öffentliche Interesse am Demjanjuk-Prozess ist ein gutes Zeichen. Allerdings: Es handelt sich dabei nicht um einen neuen Eichmann-Prozess. Demjanjuk war, wenn er denn schuldig ist, nur ein ganz kleines Rädchen im Getriebe der Nazi-Todesfabriken. Von den Nazi-Entscheidungsträgern dagegen wurden nur die wenigsten jemals zur Rechenschaft gezogen. Das ist der eigentliche Skandal, und daran können auch zehn Demjanjuk-Prozesse nichts mehr ändern.

Dennoch ist das Verfahren wegweisend. Zum ersten Mal hat die Bundesrepublik Deutschland im Vorfeld zugestimmt, dass ein mutmaßlicher NS-Täter aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland ausgewiesen wird. In den USA warten noch andere, denen wie John Ivan Demjanjuk die US-Staatsbürgerschaft entzogen wurde, weil sie Helfer der Nazis waren. Sie dürfen aber dort bleiben, weil sich kein Staat findet, der sie aufnehmen würde. Außenminister Westerwelle könnte hier ein Zeichen setzen und die deutsche Bereitschaft erklären, diese Männer einreisen zu lassen. Dann wäre der Demjanjuk-Prozess nicht der letzte seiner Art - sondern der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Verfahren gegen vergleichbare Täter.

http://www.taz.de/nc/1/debatte/kommentar/artikel/1/nicht-der-letzte-seiner-art

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