Ein Architekt im Dienste Hitlers und 

Anmerkungen zu dem von Hitler geschätzen Architekten German Bestelmeyer.

Anmerkungen zu German Bestelmeyer, dem Architekten, der sowohl von Adolf Hitler ..

 

 

 

Über German Bestelmeyer ist seit seinem ersten Wirken als Architekt noch vor dem Ersten Weltkrieg, über die Jahre der Zwischenkriegszeit, die Jahre während der NS-Zeit und vor allem um seinen überraschenden Tod 1942 immer wieder veröffentlich worden. - Sein Werk ist Gegenstand verschiedener Würdigungen geworden. - Ein besonderes Problem zeichnet sich ab, wenn es um die Einordnung des Schaffens in der Zeit des Nationalsozialismus, wenn es um die faktengestützte Haltung des Architekten zu der ideologie des Nationalsozialismsu geht. - 

Auf den ersten Blick scheinen sich in Hinblick auf die mögliche Verortung Bestelmeyers zwei diametral entgegengesetzte Auffassungen konstatieren zu lassen. - Für eine stark Gruppe von Wissenschaftlern war demnach Bestelmeyer nicht Mitläufer, sondern bereits im Vorfeld der nationalsozialistischen "Machtergreifung" als Vorreiter und programmitischer Ideologe auf dem Felde einer gegen die kultur-bolschewistischen Moderne

versucht man da..

 

Für die Nachkriegsjahre 

Es ist bis heute nicht 

Hitlers vergessener Lieblingsarchitekt G.B.

 

 

 

 

 

 

Die Stephanuskirche
und ihr Architekt German Bestelmeyer

 
 
 
Als 1937 die Mitglieder der neuen Stephanusgemeinde vor der Fertigstellung ihrer Kirche Gelegenheit erhielten vorübergehend im nahen Nymphenburger Schloss ihre Gottesdienste abzuhalten, erinnerten sie sich vielleicht auch an jenen 12. Mai 1799, an dem in einem Saal des Schlosses der erste evangelische Gottesdienst in München seit der Reformationszeit gefeiert werden konnte, nachdem sich die protestantische Prinzessin Caroline Friederike Wilhelmine von Baden (1776-1841) von ihrem Gemahl, dem Kurfürsten Max IV. Joseph, dem späteren König Max I.,  im Ehevertrag hatte zusichern lassen, die Ausübung ihrer Religion zusammen mit ihrer Entourage wahrnehmen zu können.
Dieser „Geburtsstunde des altbayrischen Protestantismus“ im kleinen Kreis unter der Leitung des Kabinettpredigers und späteren ersten Stadtpfarrers, Dr. Ludwig Friedrich Schmidt,  folgte eine wechselhafte Zeit der evangelischen Diaspora-Existenz; ein langer „Marsch durch die Institutionen“ begann, der mit der Wahl  eines evangelischen und fränkischen Landesvaters 2007 ein weiteres, wenn auch kurzlebiges  Kapitel schrieb.
 
  Nach dem Stadtrecht für den ersten protestantischen Bürger (1801), der Etablierung der Gemeinde (1806) dauerte es noch bis 1833  mit der späteren Matthäuskirche die erste eigene Kirche entstehen sollte. Aber als die Königin-Witwe Caroline 1841 starb, verweigerte ihr bezeichnenderweise der katholische Klerus von München-Freising jedwelche Trauerzeremonie im öffentlichen Raum. Kein Gesang, kein Gebet, kein Totenamt wurde der mutigen Verfechterin und Vorkämpferin ihres Glaubens zuteil.
Zwar steht der Bau der Stephanuskirche lokalgeschichtlich in engem Zusammenhang mit der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts größer gewordenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Neuhausener Christuskirche, „von der 1937 die Stephanusgemeinde abgetrennt und zur eigenen Pfarrei erhoben“  wurde. Hingegen bauhistorisch und in der Person ihres prominenten Architekten jedoch auch beispielhaft für die vielschichtig problematische, nicht frei von Widersprüchen zu beschreibende Beziehung zu der nationalsozialistischen Ideologie jener Jahre.
In dem Maße, wie das Verhältnis der Kirchen zum NS-Staat, den mehrheitlich christlichen Deutschen zur Ideologie des Nationalsozialismus, als zumindest ambivalentes Verhältnis zu beschreiben ist, lässt sich gerade am Beispiel des Baumeisters der Stephanuskirche, der gleichzeitig als  Professor an der Technischen Hochschule und als Präsident der Kunstakademie bis zu seinem Tode 1942 tätig ist, die Geschichte einer persönlichen Verstrickung und gleichzeitigen kalkulierten Vorteilsnahme darstellen, die weit über ein rein opportunistisches Fehlverhalten hinaus reicht. Als Repräsentant eines konservativen Traditionalismus, der  bereits vor dem ersten Weltkrieg  zu hohen Ehren kommt und früh in den Staatsdienst eintritt, steht er für die national-protestantische Variante jener konservativen Eliten, die im Rahmen ihres eigenen Fortkommens und weil sich Anschauungen mit der neuen Politik in Deckung bringen liessen, die Kollaboration mit dem Regime billigend in Kauf nehmen.
 
  Vor dem eingangs gestreiften geschichtlichen Hintergrund hatte sich  die Architektur der Stephanuskirche sowohl in einer  konfessionell noch  katholisch dominierten süddeutschen Umgebung zu bewähren, als auch in dem tendenziell kirchenfeindlichen NS-Staat „neu zu positionieren“. Das heißt:  mit der nationalsozialistischen Ideologie verlor sozusagen der katholische Mehrheitsstatus an Bedeutung und eröffnete damit einer  national-protestantisch  dominierten Kirche die Möglichkeit, sich als besonders staatsloyale, aber, was Bayern betrifft, dennoch autarke  Kirche zu präsentieren, der es historisch gelänge – im Gegensatz zu der universellen Kirche Roms – sich der „Großen deutschen Bewegung“ in diesem „historischen Moment“ als gleichwertigen Partner an die Seite zu stellen.
Dass auf diese Anbiederung und Akte des vorauseilenden Gehorsams eines Teils der sich in trivialer Weise auf eine primitive Luther-Rezeption berufenden Theologie, in der der Reformator in vielen Varianten zum Ahnherrn des deutschen Sonderwegs und des Rassenantisemitismus stilisiert wurde, die Gründung des Pfarrernotbunds und der daraus hervorgehenden Bekennenden Kirche folgte, verbessert zwar die Bilanz, ändert aber nichts an  der insgesamt verheerenden Politik, die einer moralischen Selbstaufgabe gleichkommt.  Denn auch ein „gut Teil des Wesens der nationalsozialistischen Herrschaft und der Funktionsfähigkeit des Systems bestand gerade darin, dass sich so viele Nicht-Nationalsozialisten mit dem Nationalsozialismus arrangierten. Das System wurde faktisch von vielen getragen, die es gar nicht oder – nach einer Phase der Ernüchterung – nicht mehr tragen wollten. Hierzu wird man auch die Kirchen rechnen müssen.“  Und nicht zuletzt den bayerischen Landesbischof Hans Meiser, der wie Bestelmeyer seine frühe Prägung in der alten Reichsstadt Nürnberg erfuhr, der Stadt die mit der Region Mittel- und Oberfrankens zu den Zentren einer frühen Amalgamisierung völkischen Denkens mit der dezidiert nationalistischen Variante des Protestantismus zählt.
Das wirft auch die grundsätzliche Frage nach dem Kontext eines Kirchenbaus im Jahr 1938 auf und ob es am Beispiel der Nymphenburger Kirchenbaus legitim, ja unerläßlich ist, sakrale Bauten ausserhalb des christlichen Rahmens als Spiegelbild politischer Verhältnisse zu betrachten.
Der gedrungene Backsteinbau der Stephanuskriche, im Auftrag der evangelisch-lutherischen Gesamtkirchengemeinde von German Bestelmeyer 1936 geplant und 1938 fertig gestellt, besteht aus einem fast quadratischen Zentralraum unter einem weit heruntergezogenen Zeltdach und mit einem angedeuteten westwerkartigem Turm. Das Satteldach des
Kirchturms und der pittoreske barocke Dachreiter mit Zwiebel, grazile Kontrastfigur zur romanischen Massigkeit des Gesamtbaukörpers, sind "bodenständige" Zitate aus der bayerischen Architekturgeschichte. Darüber hinaus erinnert der Nymphenburger Turm an den Westbau des romanischen Münsters von Mittelzell.  . Eine Besonderheit und ein gleichzeitig funktional nicht „begründbarer Manierismus“  stellt die Dachkonstruktion dar, in der es zur Angleichung des Dachstuhls mit dem in das Gesamtvolumen integrierten Turm kommt. Mit diesem steilen Walmdach, das eine Höhe von 26,50 m im Gegensatz zu der geringen ´Traufhöhe von 9,15 m erreicht, wird einerseits der Charakter einer Kirche betont und mit dem Dachreiter, dem Zwiebeltürmchen ragt die Kirche bis 34 Meter in den Himmel, als verkörpere „die Stephanuskirche sozusagen einen Sonntag im Straßen- und Stadtbild“ ., nimmt man die einfachen Wohnhäuser daneben als Werktage wahr.
„Im Osten schließt sich leicht verschwenkt das Pfarrhaus an, so dass eine malerische Baugruppe als städtebaulicher Akzent für die Nibelungenstrasse“  entsteht.
Der Bau fällt vor allem auf durch das reiche Gliederungssystem aus Lisenen, Querbändern, Archivolten, Zahn- und Rundbogenfriesen, das ihn in die Nähe hochromanischer Kirchen rückt. Das helle  Innere der Kirche, gekennzeichnet durch eine hölzerne, niedrig wirkende Kassettendecke und von drei den Raum umschließenden reichlich beschnitzten Emporen, erinnert eher an die stubenartigen Predigträume der Barockzeit. Altar, Kanzel und Taufstein sind in einer um drei Stufen erhöhten Choranlage angeordnet, auf die ein Mittelgang hinführt.
Zahlreiche Künstler waren an der Ausstattung beteiligt; so die Bildhauer Hans Vogl (Eingangstympanon) u. Wilhelm von Rechberg (Kruzifixus). Das Okulusfenster, ursprünglich von Hermann Kaspar gestaltet, ging im Krieg verloren und wurde durch Karlheinz Frettlöh ersetzt. Die hölzernen beschrifteten Emporenbrüstungen stammen von Andreas Lang jun. Der Brunnen im Vorfeld der Kirche ging 1945 verloren. Im Osten schließt sich das Pfarrhaus an.
 
  Der Eindruck, es könne sich bei der Stephanuskirche auch um  einen katholischen Bau handeln, erklärt sich, ist beabsichtigt, entspricht es doch der dogmatisch vertretenen Anschauung des Architekten German Bestelmeyer, dass „unsere Zeit keinen Stil in dem Sinn“ besitzt“, wie er früheren Zeiten eigen war. Da bleibt  nur der legitmationsstiftende Rückgriff auf die bewährte Tradition, um einen Typus von Kirchenraum zu schaffen, der nicht „gemacht“ ist und  der dem hehren Anspruch gerecht wird, den Gläubigen in einer Zeit der „Verunsicherung“ und Anfechtung (Rück)Halt zu geben. Und das ist (bedeutet) für German Bestelmeyer, der sich bescheiden in der Rolle des „Schuldners des Alten“ einrichtet wiedererkennt, ohne dadurch zum Epigonen zu werden, sich dann über die Konfessionsgrenzen frei zu bewegen, wenn es .. erfordert der ...dass er  Das heißt, Bestelmeyer nimmt die durch die Theologie Luthers überflüssig gewordenen Bauteile als  „Stimmungsträger“ der Ecclesia wieder auf, (zugunsten) um eine Resakralisierung, eine Vertiefung dadurch hervorzubringen. So reaktiviert er etwa Chor und Apsis, die für die kath. Liturgie unerläßlich sind jedoch innerhalb der liturgischen protestantischen Bewegung der 1920ger Jahre zugunsten der Betonung des Predigtraums aufgegeben wurden. Als protestantisch dagegen erscheint der Zentralraum, der anstelle eines langschiffigen Baus auch für die Kirche in der Nibelungenstrasse gewählt wird.

Bestelmeyer, 1874 in der altdeutsch-romantischen Frankenmetropole Nürnberg zur Welt gekommen, gehört zu jenen konservativen Architekten, die aus „einem schöpferischen Begreifen des Besten deutscher Baukunst des Mittelalters Kirchen gestalten“, in denen die wesentlichen Eigenschaften dieser Überlieferung mit den Erfordernissen der modernen Religiösität auf eine künstlerisch überzeugenden Weise verbunden sind.“
Was Bestelmeyer neben den akribisch von eigener Hand entworfenen und in Zusammenarbeit mit anderen Kunsthandwerkern erstellten „künstlerisch-individuellen Einzeldetails“  immer wieder auszeichnet, ist sein besonderes Fingerspitzengefühl für die Umgebung. die Umsicht,  mit der er  Bauten in die (Stadt-)Landschaft integriert. Als ein besonders treffendes Beispiel sei  hier auf die auf das  Ledigenheim bezugnehmende Architektur der Auferstehungskirche (1931) im Westend hingewiesen.
Für die Stephanuskirche war die Aufgabenstellung, in Zeiten verknappter Ressourcen, den Baukörper mittels einfacher Mittel in einer Wohnstraße hervortreten zu lassen.
. in einer Dimension, die mit dem romanischen Stilrepertoire einerseits den Akzent, andererseits auch als Korrespondenz zu „bodenständigem“, „deutschen“ Bauen gesehen werden“  kann.
Nicht nur die von Bestelmeyer mit diesem Bau angestrebte  "ganz große einfache plastische Form" hilft der kleinen Kirche, in der Umgebung einer gartenstadtartigen Wohnsiedlung "eine dominierende Wirkung auszuüben". Dabei scheint in starkem Maße die eigenwillige Dachkonstruktion das Manko eines eigenständigen Turm oder Campaniles, mit dessen Höhe  Bestelmeyer für den Neubauentwurf  der Matthäuskirche noch am persönlichen Einspruch Hitlers wenige Zeit später scheitern sollte, zu kompensieren.
 
 

 

 
  Als am 21. Juli 1944 eine Sprengbombe während dreier alliierter Angriffswellen das Pfarrgebäude der Stephanusgemeinde trifft, werden sechs Menschen getötet, darunter befindet sich das Pfarrerehepaar Knappe und das Diakonenehepaar Steinacker. Auch der Brunnen draußen auf dem Vorplatz fällt diesem schweren Bombenangriff zum Opfer. Es wird gesagt, gerade Pfarrer Knappe hätte sich als Mitglied der Bekennenden Kirche wiederholt mit dem Regime angelegt. So habe er sich u.a. gegen die Beflaggungspflicht und die Verherrlichung der Hakenkreuzfahne ausgesprochen und sein Lehramt aufgeben müssen. Dazu wird die Anekdote von einer anderen Hakenkreuzfahne erzählt, die nach dem Bombenschaden die Trümmer des Pfarrhauses „zierte“ und von einem entrüsteten jungen Gemeindemitglied heruntergeholt worden sei.   Über den Brunnen schreibt Ernst Götz in der Fetsschrift zum 50-jährigen Bestehen der Kirche im Jahr 1988: „Auch der einstige achtseitige Brunnen mit vier Eichhörnchen und mittlerer Zirbelnuß auf einer Säule, allerdings auch mit eingraviertem Hakenkreuz an der Beckenwandung, wurde vom Geheimrat und Professor persönlich gezeichnet. Diesen von der Stadt München damals gestifteten Brunnen, dies war vielleicht hier gut so, zerstörte der Krieg...“  
     

  

 

Nachdem im Sommer 2007 bereits in der Publikation der Neuhausener Geschichtswerkstatt ein Beitrag zur Stephanuskirche unter besonderer Berücksichtung ihres Architekten German Bestelmeyer  veröffentlicht worden ist, soll hier die Thematik noch einmal vertieft werden. Als ich an Weihnachten 2005 am zweiten oder dritten Feiertag den Gottesdienst in der prächtig geschmückten Kirche besuchte, hatte ich damals keine Vorstellung, dass sich aus diesem Besuch eine längere Beschäftigung ergeben sollte.

Grundsätzlich soll der Frage nachgegangen werden, ob sich am Beispiel konkreter Kirchenbauten, die zwischen 1933 und 1939 entstanden sind, erkenntnisreiche Aussagen bezüglich der Stellung der Kirchen zum Nationalsozialismus treffen lassen. 

Vor dem Hintergrund einer schönfärberisch Jahrzehnte lang gepflegten, immer wieder erneuerten Legende eines seit 1933 bestehenden Kirchenkampfs als aktiver Widerstand ggen das NS-Regime durch die lutherisch-reformiertene Kirchenvertreter, zu denen sich u.a. der bayerische Landesbischof Meiser nach 1945 zählte, hat der Prozess einer glaubhaften und gründlichen Auseinandersetzung von protestantischen Gemeinden mit den Formen der Verstrickung in die NS-Geschichte mancherorts noch gar nicht begonnen. Es reicht eben nicht aus, am Beispiel einer Strassenumbenennung um die Biographie eines Landesbischofs die Mitwirkung zu klären.

Was in der Meiser-Debatte immer vernachlässigt wurde, war die von seiner Seite, aber auch durch den badenwürttembergischen Bischof Wurm nach dem Mai 1945 betriebenen Einsatz gegen die allierten Kontrollbehörden für deutsche Kriegsgefangene. - Es ist weniger die Tatsache, dass sie sich für Kriegsgefangene, für Amenestien einsezten, sondern dass dieser Einsatz fast unisoni auch SS-Angehhörigen zu Teil wird....

 

 

heute nicht mehr aufrecht, nicht mehr von einem generellen Widerstand gegenüber derm Nationalsoziailismus gesprochen werden kann, bzw. dass die Glaubenzeugen..Waren es, wie es zum Beipiel der gedrungene Bau der Stephanuskirche suggerierne könnte, Bollwerke, Festungen, Inseln, eines latent widerständigen Ausdrucks.Oder zeigt sich in der gewählten Architektursprache - unter Berücksichtigung der seit 1936 eingeschränkten baulichen Möglichkeiten. - eher eine, indem auf mittelalterliche Formen und nicht auf moderne .. zurückgegriffen wurde, eine tendezielle zustimmende Haltung zu den "Herren" der neuen Zeit.Und wie läßt sich in der Biographie German Bestelmeyers, der zu den wichtigsten Archtiekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu zählen ist, etwas festmachen, was zur Beantwortung dieser Frage verhilft, indem der 1874 in Nürnberg geborene vielseitig begabte Baumeister sowohl als Architekt von ca. evangelsicher Sakralbauten als auch seit 1933 als prominenter Vertreter der nAuch wenn Bestelmeyer im Zentrum stehen soll, werden auch begleitende Gestaltungs- und Bauaufgaben näher gewürdigt. Es ist nämlich z.B. durchaus der Erwähnung wert, daß der Kirchenbau von einer Firma bewerkstelligt wurde, die wenige Monate später den Auftrag erhielt, die große Synagoge am Lenbachplatz abzubrechen. Der Auftsieg jener Firma datiert aber erst mit der unter den Verhältnissen des Kriegs

 

 

 

  

 

 

 

 

 

Die Stephanuskirche
und ihr Architekt German Bestelmeyer


 



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„..Zerissenheit, Verlorenheit, verbunden mit Geschmacklosigkeit, das sind bis jetzt die Kennzeichen einer ungezügelten Bauweise..(...)
Wir dürfen glücklich sein, dass wir in Deutschland Künstler haben, die immer schon artfremde Geistesrichtung abgelehnt haben und doch auf fortschrittlichem Boden stehen, denen der Glauben an Blut und Boden oberste Pflicht ist...() wenn wir vor allem (..)Die Namen Bestelmeyer und Boßlet sind zu bekannt, um hierüber noch besonders schreiben zu müssen.. (..)
Wenn nun endlich wieder unser ganzes Sinnen und Trachten völkisch sein wird, so muß dies auch in der Baukunst sein; wir müssen uns frei machen von Afterkunst, von internationalen Einflüssen, von der Anbetung alles Fremdländischen , sogar der Negerkunst, und müssen in Einzelbauten wie in der Zusammenfassung von Bauten wieder deutsche werden und bleiben...“


.


                   "Während in anderen Ländern Kirchen und Gotteshäuser zerstört
                    werden, dürfen wir hier in Deutschland neue Kirchen
                    bauen und so gedenken wir mit Dank der Vorsehung, die uns
                    in Adolf Hit/er einen Führer geschenkt hat, der dafür sorgt
                    und wacht, daß bei uns Freude und Einigkeit herrschen."
                   
German Bestelmeyer anläßlich der Einweihung der St. Jakobus Kirche
                    In Oberkotzau 


Als  German Bestelmeyer diesen Bau für die neu entstandene Stephanusgemeinde entwarf und erstellte, hatte er bereits mehr als zwanzig evangelische Kirchen gebaut bzw. für diverse Umbauten  – in München betrifft das die Matthäus und Markuskirche  – Sorge getragen. 

Darunter die „Auferstehungskirche“ im Westend. Ihm war bereits 1934  bereits das sechzigste Lebensjahr gebührend begangen worden.

In München steht sein Name zuvorderst für organisch wirkende Erweiterungsbauten. Seine Stellung als einflussreicher Baumeister hat er aber vor allem mit markanten Profanbauten gesichert. Dazu zählen etwa der umgestaltete Lichthof der Universität München mit seinem römisch anmutenden gewaltigen Kuppeldach, die Erweiterungsbauten der Technischen Hochschule, dessen Lehrkörper er auch bis zu seinem Tod angehörte, der frühere, mittlerweile nicht mehr existierende Neubau des Kongreßsaales des Deutschen Museums. Eine seiner Stärken, die ihm unter anderem auch den Ruf eines Bastel- und Bestell-Meyers einbrachte, war auch hier seine Fähigkeit sich in örtliche Gegebenheiten einzufühlen und diese Vorgaben optimal für seine eigene neoklassizistische pathetische Formensprache auszunutzen.

Am Beispiel des Studiengebäudes, das er dem Nationalmuseums hinzufügt, um eine geschlossene Übergang für das von ihm auf der überliegenden Staßenseite gebauten Luftgaukommando zu erzeugen, wird diese Fähigkeit besonders anschaulich, deutlich


In Münchens Prinzregentenstraße hat er, um dem von Seidl erbauten Nationalmuseum
Bestelmeyers das Luftgaukommando_gebäude
Dem Architekt der Stephanuskirche und auch dem Bau selbst hängt etwas Janusköpfiges an. Und auch der schöne Schein seiner Kirchenbauten lädt auf den zweiten Blick eher zum Nachdenken ein. Denn seine späte Schaffenszeit – und zu diesem Abschnitt seiner Bauten gehört auch der Sakralbau der Nibelungenstrasse – fällt mit den Jahren seines unmißverständlichen Engagements für den Nationalsozialismus zusammen.

Nach seinem frühen Tod 1942 richtet ihm das Nazi-Regime eine pompöse Trauerfeier aus, die in seinem Renommier-Stück, dem von ihm 1909 in der Tradition Friedrich von Gaertners umgestalteten Lichthof der Münchner Universität stattfindet.
„...Er stand stets außerhalb des Kampfes um die Tagesmoden. Er suchte stets das Gesetz des Schönen in der Zweckmäßigkeit des Einfachen. Deshalb wurde er schon frühzeitig ein warmherziger Anhänger der jungen nationalsozialistischen Bewegung, nach deren Sieg er eine gewaltige Schaffenskraft entfaltete. Der Wettbewerb für das Marineoberkammonado bestimmte den Führer, dem er schon während der Kampfzeit mehrmals begegnete, ihm den Vorentwurf für das Rathaus der Reichshauptstadt zu übertragen..
German Bestelmeyer schöpfte aus artgemäßer, lebendiger und zeitloser Überlieferung... Der Forderung des Führers: Die Kunst soll Künderin des Erhabenen und Schönen und damit Trägerin des Natürlichen und Gesunden sein; wurde das  Werk des Baumeisters German Bestelmeyer gerecht; er hat mit Größe gebaut.“

Im Beisein des Propagandaministers Goebbels und aller ziviler und militärischer Formationen der Partei, bis hin zu einem martialischen Waffen-SS Spalier auf der Amalienstraße, firmiert diese Inszenierung die als zentralem Fetisch einem überdimensionierten  „Kranz des Führers“ huldigt, nicht  nur als posthume Vereinnahmung, wie etwa Florian Koch in apologetischer Absicht meint, sondern es ist der zweifelhafte „Lohn“ und die Bilanz einer kontinuierlichen Kooperationsbereitschaft mit dem Regime und seiner mit den Mitteln des autoritären Führerprinzips statuierten Kunst- und Architekturauffassung. Gerade weil Bestelmeyer eher Vertreter eines Traditionsverständnisses des 19. Jahrhunderts samt der Verehrung für Antike und die Stilmittel der auf Ewigkeit gründenden „alten Sachlichkeit“, war er im Meer der mediokren, leichtgewichtigen Künstler, war sein Engagement als Kulturfunktionär, so gefragt.
Bestelmeyer steht aber mit seiner Karriere und Fortkommen auch für die Kunstpolitik einer ganzen Stadt. – Das betrifft seine Berufung in den Zwanziger Jahren ebenso wie die nach dem „Schock der Rätezeit“ einsetzende rückwärtsgewandte, modernitätsfeindliche, reaktionäre Kulturauffassung, die als Vorläufer der Exzesse um die  Bücherverbrennungen und den Bildersturm von 1937 zu nennen ist.

„Bestelmeyer, der sich selbst als ‚unkorrumpierbaren Streiter wider das Feldgeschrei der Moderne‘ verstand, entwickelte in den zwanziger Jahren eine neoklassizistische Formensprache, die mit ihrer rigiden, steinernen Pathetik bereits auf jene strengen Reduktionsformeln verwies, wie sie nach der Machtergreifung 1933 nationalsozialistische Architekten wie Paul Ludwig Troost oder Oswald Eduard Bieber in München anwenden sollten

Als er zusammen mit der von ihm angeführten Professorenschaft der Akademie, nach einstimmigem Beschluß, am 9. Juni 1933 Adolf Hitler eine Ehrenmedaille der Akademie in Gold für Verdienste um die bildende Kunst verleiht, ist er bereits seit Jahren in einer der aggressivsten Vereinigungen aktiv, die


, „Dem Führer des Deutschen Volkes ...der den nationalen Gedanken als Brennpunkt des geistigen Lebens und Richtschnur der Künste in sein altes recht einsetzte und in weitschauenden Plänen der Kunst ihre einzige Aufgabe, Sprache des Volkes zu sein, erneut zuweist
 

Und: Kirchenbauten, die während des NS-Zeit entstanden waren keineswegs politikfreie Nischen einer obligaten resistenten Grundhaltung. Zumal wenn in diesem Fall ein äußerst profilierter mit dem NS-Regime kollaborierender Architekt für den Bau Verantwortung trägt.
Unter den mehr als zwanzig von Bestelmeyer erbauten protestantischen Sakralbauten, ragt die Stephanus-Kirche nicht als der auffälligste Bau heraus. Jedoch machen die Entstehungszeit und die besonderen Begleitumstände dieses „Spätwerks“ des damals über sechzigjährigen Baukünstlers so erklärungsbedürftig und interessant. Dass der Bau, wie überhaupt alle von Bestelmeyer gestalteten Gebäude äußerst umsichtig, qualitativ reizvoll ist, steht außer Frage.

Es attestieren ihm sogar jene, die ihn in unmittelbare Nähe zu der nationalsozialistischen Auftragskunst stellen, dass er sein Metier versteht, es vor allem vermag, sich auf ...einzustellen. Es sei hier also nicht die Frage nach der Qualität zu stellen – sondern es geht vielmehr um die absichtsvolle Nutzbarmachung, die Indienstnahme eines Sakralbaus für eine völkliche Gemeinschaftsbindung, die über die konfessionelle auch .. , ob er .   Kurz, auf der Folie eines imaginären, rückwärtsgewandten Traditionsverständnisses,

Zwischen den Staatsaufträgen, in damit verbundenen persönlichen Kontakt zu Adolf Hitler, den dieser bereits in der sog. „Kampfzeit“ mehrmals begegnet sein soll, entwirft Bestelmeyer seine Sakralbauten.  Und so sich besonders die Erweiterungsbauten, die vor 1933 entstanden sind, auch darstellen, Bestelmeyer war, das wird durch viele Entwürfe deutlich, auch an der Vorbereitung beteiligt, der alten von Ludwig I. und Maximilian und der Prinzregentenzeit München den Garaus zu machen. Da s betrifft etwa die damit einhergehende faktische Zerstörung etwa der Theresienwiese, des Hofgartens, des Nymphenburger Parks. Spätestens hier entfaltet Bestelmeyr über dem „opportunisctischen Dienst nach Vorschrift, seine eigentliche Geisteshaltung für das Dritte Reich. Er will an vorderster Linie mitgestalten städtebauliche Akzente setzen, den Städten des Dritten Reichs sein ...
Gerade weil Bestelmeyers Karriere bereits in der Kaiserzeit beginnt, er auch internationle Projekte erfolgreich betreut , ist er als porfilierter Baukünstler für die  legitimatorische Einbindlung bürgerlicher konservativer Kreise wertvoll Unerläßlich. Gerade für München läßt sich nur anhand seiner Bauwerke und Planungen eine Kontinuität von der Jahrhundertwende bis zu seinem Tode 1942. Wes Geisteshaltung
Denn wenn sich .... Und hier spielt..

Nun ja, aber
Warum sollte ein Architekt nicht gleichzeitig Profan- und Sakralbauten errichten, deren Zweckbestimmung sich im Widerspruch befindet. So hätte der fromme Christ Bestelmeyer nur aus opportunistischen Gründen die Staatsaufträge, wie das in seinen Ausmaßen monumentale Luftgaukommando 1937,  mehr widerwillig angenommen und ausgeführt , um vielleicht in Wirklichkeit seinen Status als Kirchenbaumeister nicht zu gefährden. Und in diesen Bauten hätte sich der authentische Bestelmeyer als Christ und in Opposition zu der herrschenden Ideologie einbringen können.
Bestelmeyer Motiver für sein Verhalten abschließend einzuordnen fällt schwer.
Fest steht aber, dass ihm diese ambivalente Grundhaltung, die seiner Karriere stets dienlich war, nachdem er 1942 überraschend verstarb, eine posthume Vereinnahmung zuteil wurde, erst möglich machte. Es wurde dort in einer pompösen NS-Totenfeier seiner als Baumeister, nicht als Kirchenbauer  gedacht. Und aus seinen Kirchen, auch aus der Stephanuskirche, entfernte wurden im gleichen Zeitraum bereits die Glocken abmontiert um sie der Metallsammlung zugunsten der „Kanonenproduktion“ dieser Kriegsjahre zuzuführen.


 Vorsichtig zwar, aber
Eine schöne Geschichte, das würde auch erklären, dass sich die Gemeinden der Bestelmeyer-Kirchen meistens völlig „Unbedarft“, unwissend präsentieren. Bis auf wenige Andeutungen wird der Zusammenhang in diesem Fall genauso ausgespart und kleingeredet, wie das das Verhältnis der Evangelsichen-lutherischen Kirche zum NS-Staat galt.




Ende Version: 03

Es fällt nicht gerade leicht im äußeren Erscheinungsbild der 1938 fertiggestellten Nymphenburger Stephanuskirche auf Anhieb einen evangelischen Sakralbau auszumachen.

Besonders das lang nach unten gezogene gewaltige Zeltdach des Backsteinbaus, das mit einem pittoresken barocken  Dachreiter versehen ist, läßt daran zweifeln, dass es sich bei der Stephanuskirche um einen evangelischen Sakralbau handeln kann.
Und die Verwirrung wäre bestimmt noch größer, hätte man den Kirchenbau mit seinem angeschlossenen Pfarrhaus von der Lachnerstraße herkommend, an dem modernen Glaskubus der katholischen Herz-Jesu-Kirche vorbei, zum ersten Mal erblickt.
Auf wenigen hundert Metern scheinen hier die angestammten Unterscheidungsmerkmale  der beiden Konfessionen vertauscht (worden) zu sein.
Denn in dem Maße, wie der transparente Kirchenneubau mit seiner eleganten asketischen, und was die Bildlichkeit angeht, radikal zurückgenommenen Interieur als katholische Kirche überrascht, ja bisweilen provoziert, so „katholisch“, bzw. vorreformatorisch ragt unterbricht der gedrungene Kirchenbau in der Nibelungenstrasse  in eine von zusammenhängenden Wohnanlagen dominierten Straßenzeile. wirkt mutet dieser Bau  an.

Zusammenfassend: Ungeachtet des ästhetischen Reizes, den der Kirchenbau in der Nibelungen auf den Betrachter bis heute auszuüben vermag, wird der naive, wohlwollende Blick dem Kontext der Baugeschichte doch nicht gerecht. Wer sich also kundig macht, die Geschichte dieses Baus nicht isoliert, sondern mit den Zeitumständen vorurteilsfrei zur Kenntnis nimmt studiert, der wird zumindest mit einem Unbehagen dem „schönen Schein“ etwas entgegenzusetzen haben.


Thomas Hauzenberger; Mai 2007

 

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