PDF-Datei Luthers Antijudaismus

Luthers Antijudaismus

   am Beispiel des Textes:
»Von den Jüden und iren Lügen«
1543

 

 
   

Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Neuere und Neueste Geschichte

Proseminar: Der Augsburger Religionsfriede 1555

Dr.Walter Mogk / Wintersemester 1993/94

von Thomas Hauzenberger, München

 

PDF-Datei Luthers Antijudaismus

 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

als ich mich im Rahmen eines Seminars 1993 dazu entschloss, über Martin Luthers erklärungsbedürftige Spät-Schriften zum Judentum eine Hausarbeit zu fertigen, war ich mir der Tragweite des Unterfangens nicht bewusst. - Eigentlich als eine Art Fingerübung gedacht - in der Tat geht es in einem Proseminar ja vorrangig um das Erlernen des Handwerkzeugs und nicht so sehr um das Inhaltliche - sorgte die Befassung mit der Thematik für eine nachhaltige  Unruhe, die auch heute 25 Jahre später nicht abgeklungen ist.- 

 

 

 

Martin Luthers Beitrag für die europäische Geschichte und das Neuverständnis christlicher Schriften im Lichte des Humanismus und einer Form vor-aufklärerischer Diskurskultur, wird Gegenstand der unzähligen Jubiläumsveranstaltungen werden. - Dem eigentlichen  Reformversuch folgte eine auf allen Ebenen gesellschaftliche Umwälzung, die weit über den theologischem Kammer- und Kathederstreit hinaus ging. - Und weil der Bischof zu Rom, der sog. Stellvertreter und Nachfolger Petri, selbst Akteur einer machiavellistischen, weltlichen Machtentfaltung war, enzündete sich am sog. Ablasshandel ein über Jahrhunderte währender Krieg und Spaltungsprozess, der das Bild Europas bis heute prägt. - Vor allem auf der Folie nationalistischer Mythenbildungen, wie sie im Vorfeld der verspäteten deutschen Nationalstaatsgründung, als Konstruke und Erfindungen im 19 Jahrhundert Eingang fanden in ein "kollektives" Identitätskonstrukt, avancierte der zunächst lokal agierende und theologisch argumentierende ehemalige Augustiner-Mönch zum - fast möchte man sagen - Prototyp einer teutschen Leitfigur, einer "Führerpersönlichkeit", einem zweiten Arminius.

ad Luthers Antijudaismus* 

Selbstverständlich streitet man in der Fachwissenschaft darüber, ob nicht Judenfeindschaft, bzw. Antisemitismus treffender die späten Lutrerschriften charakterisieren. - Denn gerade mit unserem Wissen, das immer ein Wissen post Auschwitz ist, lassen sich, aus dem Kontext genommen, die sog. Lutherischen Ratschläge als wahrlich schreckliche Blaupausen für jene Verfolgungsmassnahmen, wie sie jüdischen Menschen u.a. nach 1933 widerfahren sind, begreifen. - 

- Ob  daher der im späten 19. Jahrhundert entwickelte Terminus des Antisemitismus,  gerade eingedenk des Autors (Wilhelm Marr), eher verschiedene Formen der Judenfeindschaft wissenschaftlich verbrämte, rückwirkend zur Anwendung zu bringen ist, bleibt offen. - Entscheidender scheint mir zu sein, dass im Falle Luthers, dieser Jahrhundertgestalt, dessen Wirkmächtigkeit selbstverständlich nicht auf diese Spätschriften zu reduzieren ist, von einer Wende zu sprechen ist, indem sich Luther eben gerade in seiner Schrift "Dass Jesus ein geborener Jude sei" gegen die altkirchliche jahrhundertelange Verfolgungstradition stellt. - 

Zu problematiseren ist, ob das Reformationsjubiläumsjahr, das im Jahr 2017 europaweit gefeiert  wird, der personalisierenden Hervorhebung ihres Hauptprotagonisten heute noch in dem Masse bedarf. - Falls es aber um die Würdigung der exzeptionellen Persönlichkeit Martin Luther gehen sollte - und davon ist auszugehen - gehören eben dazu auch die mehr als erklärungsbedürftigen Schriften, die Luther ab 1537 der Nachwelt ganz bewusst überliefern liess. - Selbstverständlich wäre es töricht und unhistorisch, wollte man mit den heutigen ungeschriebenen Regeln der "political" und "historical correctness" diesem frühbarocken Sprachfuror, wie er von Luther gegenüber den Juden, den Papisten und den Türken in ähnlicher Weise entfaltet wird, allein beikommen. - Insofern ist aufschlussreich, wenn Zeitgenossen Luthers

Aber die Schriften sind Dokumente der Vorurteile ...

 

 

 

 

 

 

 

 

"..Ich liebe ihn nicht, das gestehe ich offen. Das Deutsche in
Reinkultur, das Separatistisch-Antirömische, Anti-Europäische
befremdet und ängstigt mich, auch wenn es als evangelische
Freiheit und geistliche Emanzipation erscheint, und das spezifisch
Lutherische, das Cholerisch-Grobianische, das Schimpfen, Speien
und Wüten, das fürchterlich Robuste, verbunden mit zarter
Gemütstiefe und dem massivsten Aberglauben an Dämonen, Incubi
und Kielkröpfe, erregt meine instinktive Abneigung. Ich hätte nicht
Luthers Tischgast sein mögen, ich hätte mich wahrscheinlich bei
ihm wie im trauten Heim eines Ogers gefühlt und bin überzeugt,
daß ich mit Leo X., Giovanni de' Medici, dem freundlichen
Humanisten, den Luther »des Teufels Sau, den Babst« nannte, viel
besser ausgekommen wäre...[..]"
 Thomas Mann (»Deutschland und die Deutschen«, 1945)
 
"Kein Volk haben Juden heißer geliebt, höher geschätzt und mehr
beeinflußt als das der Deutschen. Kein anderes hat diese Liebe mit
blutigerem Haß quittiert als die Bewohner dieses Landes. Nirgends
war das Zusammenleben zweier Völker fruchtbarer als auf
deutscher Erde. In keinem anderen ist es furchtbarer geworden als
hier. Nie und nirgends wurden Juden höher ausgezeichnet und so
tief gezeichnet wie in diesem Kernland Mitteleuropas. Ebenbürtig
war das gegenseitige Verhältnis fast nie..."
 Pinchas Lapide (»Am Scheitern hoffen lernen«, 1985)
 
"Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die
allererste an Erziehung..."
 Theodor W. Adorno (»Erziehung nach Auschwitz«, 1966)

Inhaltsverzeichnis:
                                 
Einleitendes Vorwort:.......................................................................................................................................IV
1. Der Text und seine Enstehung:........................................................................................................................1
2. Der politische Teil. Von der Missionierung zur Vertreibung:.............................................................................3
3. Anmerkungen zur »grobianischen Ausdrucksweise«:........................................................................................6
4. Verbreitung und Wirkung von Luthers praktischen Ratschlägen:.......................................................................8
5. Ergebnisse:...................................................................................................................................................10
Persönliche Nachbetrachtung:............................................................................................................................11
Anhang:
Anhang A: Textabschnitt aus »Von den Juden und ihren Lügen«.........................................................................14

Anhang B: Textabschnitt aus Johannes Reuchlins Schrift: »Ratschlag ob man den Juden alle ire bücher nemmen, abthun und verbrennen soll«. (1510).............................................................................................................................16

Anhang C: Kanonische, antijüdische Maßnahmen und NS-Gesetze. Eine vergleichende  Gegen-überstellung:
Zeittafel:

Quellen- und Literaturangaben:
 

 

 


 IV

Einleitendes Vorwort: 


   Als der "Wagenlenker Israels" drei  Tage vor seinem Tod, am 15. Februar 1546,  in der Andreaskirche zu Eisleben noch einmal eine Predigt hält, in deren Verlauf er einen Schwächeanfall erleidet, kreist sein Sprechen, schon gezeichnet vom sich ankündigenden Ende, um die Hauptbeschäftigung seiner letzten Lebensjahre. In seiner leidenschaftlichen "Vermahnung" an die Christen wider die Juden, widmet sich Martin Luther in seinem 63. Lebensjahr einmal mehr dem Anliegen seiner vorausgegangenen Schriften 1 Deren letzte geharnischte Variation seines Antijudaismus 2 stellt inmitten verleumderischer Vorurteilsverbreitung,  immerhin die Juden vor die Wahl, im Gegensatz zu vorausgegangenen Texten, sich taufen oder vertreiben zu lassen:

Uber andere habt jr auch noch die Jüden im Lande, die da grossen schaden thun. [..]..Nu ist's mit den Jüden also gethan, das sie unsern HErrn Jhesum Christum nur teglich lestern und schenden, Die weil sie das thun, und wir wissens, so sollen wir es nicht leiden, Denn sol ich den bey mir leiden, der meinen HErrn Christum schendet, lestert und verflucht, so ma-che ich mich frembder Sünden teilhafftig. [..] Darumb solt jr Herrn sie nicht leiden, sondern sie weg treiben. Wo sie sich aber bekeren, jren Wucher lassen und Christum annemen, so wollen wir sei gerne, als unsere Brüder halten. Anders wird nichts draus, denn sie machens zu gros, Sie sind unsere öffentlichen Feinde, hören nicht auff unsern HErrn Christum zu le-stern, Heissen die Jungfraw Maria eine Hure, Christum ein Hurenkind, Uns heissen sie Wechselbelge oder mahlkelber, und wenn sie uns kondten alle tödten, so theten sie es gerne, Und thuns auch offt sonderlich, die sich vor ertzte ausgeben, ob sie gleich zu zeiten helffen, denn der Teufel hilffts doch zu letzt versiegeln, so können sie die Ertzney auch, so man in Welschland kan, da man einem  eine gifft bey bringet, davon er in einer stund, in einem mo-nat, in einem Jar, ja in zehen oder zwentzig jaren sterben mus. Die Kunst können sie [..] Das hab ich als ein Land[es]kind euch zur warnung wollen sagen zur letzte, das jr euch frembder Sünde nicht teilhafftig macht.3

Luthers antijudaistische Schriften gewähren Fragenkomplexe, die an ihren Polen die Zeit vor Luther als voraussetzende Zeiteingebundenheit  geradeso betreffen wie die Frage nach den Auswirkungen auf unsere jüngere Geschichte. Dazwischen wird es hauptsächlich, geht es um Luther selbst, seine unmittelbare Zeitgenossenschaft, sein Verhältnis zum Humanis-mus bzw. die Frage, wie eklektizistisch und synkretistisch sich Luthers so ambivalente Ein-stellung zu den Juden gestaltet hat.
   Die Spannbreite dieser Themenstellung ist gewaltig. Allein auf die lange Tradition der antijüdischen, sowohl weltlichen wie auch christlich geprägten Vorurteilsgeschichte, auf die


1 Gemeint sind  »Wider die Sabbather an einen guten Freund« (1538, Weimarer Ausgabe, Band 50 1883-1991); »Von den Jüden und iren Lügen« (1542/43, Weimarer Ausg. Band 53. S. 417-553); »Vom Schem Hamphoras und vom Ge-schlecht Christi« (1543, Weimarer Ausg. Band 53. S. 573-648) ; und  »Von den letzten Worten Davids« (1543, Weimarer Ausg. Band 54)
Der Versuch einer klaren sprachlichen Differenzierung zwischen Antijudaismus (und Antimosaismus), Judenfeind-schaft, traditionellem und modernen Antisemitismus, bzw deren Subformen (Anti-Zionismus, z. T. auch Anti-Kapitalismus) ist bis heute eher erfolglos geblieben. Der erst 1879 entstandene Antisemitismus-Begriff  (Wilhelm Marr) hebt ein  der Irrationalität verpflichtetes Ressentiment zur Wissenschaft empor. Luthers Verhältnis zum Judentum benö-tigte, ob der Widersprüche und Diskontinuitäten, mehrere Benennungen. Vergl. auch: Reinhard Rürup: Emanzipation und Antisemitismus. Studien zur »Judenfrage« der bürgerlichen Gesellschaft. Frankfurt a. M.: Fischer, 1987
Martin Luther: Werke, Abt. I, Bd. 51, Weimarer Ausgabe, 1914, S. 195 f.  Die exakte Datierung dieser "Vermahnung wider die Juden" ist allerdings wiederholt angezweifelt worden. Statt dem 15. käme auch der 7. Februar in Betracht.


 

 

sich Luther nachhaltig beruft, die virulent mit den ersten großen Pogromen anläßlich des Kreuzzuges 1096 einsetzt, muß hier hingewiesen werden. Nicht als marodierender Kreuz-fahrer aber hat sich Luther der deutschen Geschichte eingeprägt. Die grobianische Aus-drucksweise, zusammen mit dem später  unverstellten, unverhohlenen gegen alles Jüdische gerichteten »furor teutonicus«, müssen an seinem eigenen Bild gemessen werden, das bis heute von ihm überliefert wird. Dieses In-Einklang-bringen des titanisch-faustischen Refor-mators, des Künders der Neuzeit, der Lichtgestalt, mit der »obsessiv-pathologischen  Juden-feindschaft«  scheint einige Lutherbiographen zu überfordern.  
   Die vorliegende Arbeit möchte sich im Gegensatz zu dem vorausgegangenen Referat eher um eine der Knappheit des Rahmens angemessene Fragestellung, fokusiert auf Luthers An-tijudaismus, vertreten von einer Textquelle, bemühen. Die Einarbeitung in verschiedene wissenschaftliche Fachlektüren bzw. den darin vertretenen Forschungsansätzen und die Ein-sicht, daß ohne fundierte theologische Kenntnisse die Durchdringung lutherischer Motivation rudimentär bleiben würde, filterten im vorhinein verschiedene Themenstellungen aus, sowohl aus mangelnder Fachkenntnis, als auch im Wissen, im Rahmen dieser Arbeit die Thematik nicht erschöpfend behandeln zu können. So vermochte ich z.B. den Klärungsver-such, inwieweit das »Paulinische« im Neuen Testament bzw. Teile des Johannes-Evangeliums mit ihren tendenziösen Hinzufügungen und Übersetzungsfehlern, einen Anti-judaismus gestiftet haben, zur Kenntnis nehmen, nicht aber wirklich in die Arbeit miteinbe-ziehen.   
  Im Wissen der vorangestellten Voraussetzungen soll der Versuch gestaltet werden, entlang nicht-theologischer Fragen, Textpassagen aus »Luthers Schrift Von den Jüden und iren Lü-gen« beim Wort  bzw. wortwörtlich zu nehmen. Zum anderen soll eine sich um Differenzie-rung bemühte, wenn möglich, sachliche Einordnung angestrebt werden. Die Bedeutung Lu-thers für den Paradigmenwechsel seiner Zeit haben auch seine Schatten prominent gemacht. An seinem Beispiel tritt die Ambivalenz und Dialektik der Neuzeit und eines bloß papiere-nen, »theoretischen Humanismus« zutage. Zugespitzt möchte die Arbeit deshalb nach den Folgen fragen, die Luthers eingeforderte Maßnahmen wider die Juden zeitigten bzw. ob Luther mit seiner Vermischung theologischer Argumente mit weltlichen Anliegen wie z.B.


4 So fehlt in Hanns Liljes populärer Arbeit ( Luther. Reinbek: Rowohlt, 1965; 16. Aufl. 103-105. Taus.1992) jedwelche Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Ein Beispiel von Apologie durch Verschweigen.

5 Vergl. dazu: Pinchas Lapide: Paulus zwischen Damaskus und Qumran. Fehldeutungen und Übersetzungsfehler. Gütersloh: Gütersloher Verl. Haus Mohn, 1988; Hingewiesen sei auch auf Bubers Interpretation Lutherischer Übersetzungskunst in: Die Schrift und ihre Verdeutschung, in : Martin Buber: Werke. Schriften zur Bibel. Band II. München. Heidelberg: Kösel/ Lambert Schneider, 1964, S. 1093-1170

6 C Bernd Sucher geht in seiner Arbeit "so wenig wie möglich auf Luthers Theologie ein" in der "Überzeugung..daß es möglich sein muß und sinnvoll ist, Luthers Schriften, Briefe und Tischgespräche - und selbst die verstreuten Bemerkungen, die Luther in den frühen Vorlesungen macht, ohne die in anderen Werken
und Vorlesungen ausgearbeitete Theologie zu betrachten und zu interpretieren." Bernd Sucher: Martin Luthers Stellung zu den Juden. Eine Interpretaion aus germanistischer Sicht. Nieuwkoop: B.de Graaf, 1977, S. 1
 

der »Wucher-Frage«, die er dann mit staatlicher Repression beantwortet haben wissen will, eine neue, modernere Form des politischen Antijudaismus begründet, der sowohl über das Theologisch-Scholastische hinausreicht, als auch einem vorrassistischvölkischenTheorem antzipatorisch das Wort redet. Bereits im Rahmen seiner Psalmenlesungen (1513-1516) markiert sich eine frühe auf die Juden seiner Zeit übertragene, ablehnende Haltung, 7 von dessen Grundüberzeugung er innerlich wohl auch in Zeiten seiner Missonsanstrengungen nicht abrückt.

Im besonderen Maße entwickelt sich Luthers nie indifferente Haltung vor dem Hintergrund seiner Zeit. Wie hat sich Luther im seine Epoche bewegenden, seine Zeitgenossen polarisierenden Streit zwischen Reuchlin und den Dominikanern, den Obskurantisten unter der Führung von Hochstraten und dem Konvertiten Johannes Pfefferkorn verhalten? Eingedenk dieser Frage mag auch an die Haltung von Erasmus von Rotterdam erinnert werden. Seine zwiespältige, nach meinem Dafürhalten paradoxe Unterstützung Reuchlins, indem er nämlich für die Verteidigung Johannes Reuchlins, der sich wiederum für die Bewahrung der jüdischen, nichtbiblischen Schriften einsetzte, ausgerechnet mit einer antijüdischen Verunglimpfung, gegen Pfefferkorn gerichtet, argumentierte 8, scheint sich einer allgemeinen antijudaistischen Atmosphäre zu verdanken,

die auch das Paradoxon aufhellt, warum sich der »Humanistenfürst« einerseits auf

 7C. Bernd Sucher  (S.46 ff): "Ita et Iudei destructi: quia Synagoga cessavit et cecivit nunquam

resurecturasic, ut synagoga sit."(WA 3, S. 296, 13 f.) Er sieht in der gegenwärtigen Lage der Juden ein

sicheres Zeichen für Gottes Zorn. Die Juden wurden und werden unablässig für Christi Kreuzigung bestraft:

sie sind vertrieben und über alle Länder zerstreut; ihre Synagoge ist verfallen und trotz all ihrer Hoffnung

wird sie nicht wieder aufgerichtet; und auch die Erwartung des Messias, der sie erretten und ihre Feinde

vernichten soll, ist vergeblich, denn Gott wird sie solange strafen, bis ihrer Überheblichkeit entsagen und den

richtigen Weg gehen [...]"

 8Guido Kisch  zitiert einen Brief von Erasmus  an Wilibald Pirckheimer. Darin heißt es: "Ich halte nichts für

unheilvoller als wie immer zu streiten und zu kämpfen, insbesonder dann, wenn es sich um einen verächtlichen

ud unehrenhaften Gegner handelt..Kein besseres Werkzeug konnte sich der Satan, der ewige Feind der

christlichen Religion, wünschen als einen solchen in einem Lichtengel verwandelten Satansengel, um unter

dem Vorwand der Verteidigung der christlichen Religion, die Harmonie der christlichen Welt zu zerstören..[..]

Ich will des Todes sein, wenn sich jener [Pfefferkorn] mit keiner anderen Absicht taufen ließ, als um so

größeres Verderben gegen die Christen zu stiften und, in unsere Reihen aufgenommen, die gesamte

Christenheit mit seinem jüdischen Gift anzustecken. Denn was hätte er ausrichten können, wenn er Jude, der

er war, geblieben wäre.? Jetzt aber verfährt er in wahrhaft jüdischer Weise, nachdem er sich das christliche

Mäntelchen umgehängt hat..."  aus Erasmus: Opus Epistolarum . Hrsg. von P.S. Allen, H.M. Allen und

H.W.Garrod. (11 Bände) Oxford: 1906-1947, Band III, S. 117 f (Löwen, 2. N

 

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