Renate Margarithe Hauzenberger

 

"I think it's now the time to present my mother's life as artist and personality in a single  and independent biography .." TH

 

 
     
       
   

Preliminary remark:

Illness is not a chance, nor a way. Mais sans doutes - in the case of Renate H. the disease became extraordinarily part of her life.-

It's not easy to write about it. - If someone dies after a longtime disease at the age of 38 - and if in this case the person is also a very closed member of your familiy, there exist many reasons to glorify the person.
In fact, it would be understandable, but just as wrong. Because the "canonization" of the diseased person represses the personality. Reducing the affected person to the disease means doubling the destructive effect of the disease. -Sickness is not a chance, nor a way. -

At the moment, when I think back of the time, when my mother became ill, I could'nt keep apart this memory from the perspective of the little boy that I was.-

O yes, I would like to tell about Renate H. - and I would like to remind Renate as an artist. And further I want to tell the story of a mother, who was prevented from performing this role conventionally. -
 

She has supported in the 60ties my father to be an independent artist.- For this reason, she became a teacher. - Unfortunately this is still a common role model in our days.-

There are quite a few persons who would call out when reading these lines: why can the boy not finally complete the certainly tragic story. He's no more a little boy now and it must go forward.-  "and let the dead bury their own dead..", Jesus (Matthew, 8.22)

But is not a main and vital part of the Christian tradition the Lamentation over the dead of Christ, who died for us. -

The human being as a player, as a reasonable animal and a animal with the dimensions of present, past and future. - The same large Walnut organ, behind the eyes, the same material at all. -

 

 

 

 

 
              
1941   born in a little austrian Village Thiersee on december 22. - Daughter of Wilhelmine Rammensee and Otto Kriegbaum  
       
1961  

She finished her school in the boarding school Windsbach, a institution of the lutheran church of Bavaria with the famous Windsbach Boys Choir, her mother worked for as a house manager.

 
    As part of a letter friendship she carries on with the thought of going to India.  
       
1962   She gets to know the art and stage painter Josef Hauzenberger in Munich. She herself had come to Munich with a portfolio of first works, drawings, watercolors to apply at the Academy of Arts. - There she is disillusioned with the saying of a Professor throwing a quick look at the spread out map : You mean you are already a finished artist?  
       
    At this time Josef Hauzenberger was still married in second marriage. - But nevertheless, the almost a generation older Hauzenberger was comparatively an established painter of art. -  
       
       
       
       
     
       
    Renate Margarithe Hauzenberger  
   

 

"Ich glaube, es ist endlich an der Zeit, dass an Renate Margerithe Hauzenberger als einer besonderen Persönlichkeit in einer eigenen biographischen Würdigung erinnert wird" TH

 
   

Vorbemerkung:

Ganz gleich, ob eine Erkrankung, ein langjähriges Leiden, einen Weg ebnen helfen oder gar als Chance betrachtet werden kann - wie zum Beispiel der populäre Buchtitel "Krankheit als Weg" zu suggerieren scheint, kann jedoch kein Zweifel darüber bestehen, dass die letztendlich schwer verlaufene Erkrankung das Leben der Frau, bei der ich Kind war, in ausserordentlicher Weise prägte, früh überschattete, bzw. verkürzte.-

Darüber zu schreiben, fällt naturgemäss auch viele Jahre später immer noch nicht leicht.- Andererseits bedarf Vieles keiner grösseren Erläuterung.- Ist doch dem "Tod der Mutter" eine kulturübergreifende, universelle Bedeutung eingeschrieben, die sozusagen vorgesellschaftlich auf ein Früher, ein antropologisches prius, ja, wenn man und frau so will, auf ein verschüttetes matrichalisches Zeitalter verweist. -

Stirbt nun in unserer Zeit ein Mensch im Alter von achtunddreissig nach langem Leiden, überrascht es nicht, dass der in aller Öffentlichkeit vorgeführten Betrauerung fast auf den Fuß die tendenzielle Verklärung, ja Idealisierung der verstorbenen Person folgt.-

Schon auf dem Kirchhof gebiert der Satz "De mortuis nil nisi bene [dicendum (est)]", der ursprünglich Chilon von Sparta zugeschrieben wird (Τὸν τεθνηκότα μὴ κακολογεῖν, γῆρας τιμᾶν), und meint, dass von den Verstorbenen nur in guter Weise zu sprechen sei, als sog. Nekrologe verkleidete leutseilig-geschwätzige Lügengespinste. -

Zur Beliebigkeit verzerrte Lobeshymnen, die mit einfältigen Anekdoten versehen, diese angestammte getragene Stimmung sekundieren helfen, bergen meist nur den einen wahren Tatsachenkern, der  aus genau den Zahlen des Geburts- und Sterbetag-Datum besteht.

An diesem Maientag 1980 erinnere ich jedoch einen vergleichsweise  schnörkellosen, unprätenziösen Umgang mit dieser fragwürdigen Literatur-Gattung. -

Der evangelische Pfarrer, dem ich dafür auch heute noch dankbar bin, war meiner Mutter nicht nur zu ihren Lebzeiten begegnet. - Er hatte sich auch in einem persönlichen Gespräch von ihr über ihre Situation ins Bild setzen lassen.- Was sie da im einzelnen geschildert haben mag, - und war es vor einer Operation, die sich als nicht erfolgreich erweisen würde ? - Ich kann es nicht genau sagen. - Tatsächlich ging es bei dem Gespräch auch um die Frage meiner Konfirmation.- Knapp fünf  Jahre hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits eine katholische Tagesheimschule an der südlichen Stadtgrenze besucht, dem nachteiligen "Diaspora-Schicksal" war ich durch besondere Beteiligung in der Schülervertretung entgegen getreten.- Vielleicht erinnerte sich meine Mutter, der meine zumindest zum Teil ganz ordentlichen Schulleistungen nicht entgangen sein dürften, an den Wortsinn der "Confirmatio", an die altersmässig eingeschriebene Dynamik, wo ein Kind aufhört Kind zu sein, um bis zur Volljährigkeit in einer Art Übergangsform zu verbleiben... - Was Schulnoten alleine nicht anzeigen können, dass sich einer seiner selbst bewusst wird. - Und die Mutter habe viel aufgegeben und wollte auch vieles gut machen, aufholen, was sie versäumt zu haben glaubte.- Am Ende trug sie ihr das nach, ..

Die Frau offenbarte sich mit ihrer Verletzlichkeit, ihrem schwindenden Lebensmut, angesichts einer immer mehr Raum-greifenden Erkrankung, gegenüber einem fast Wildfremden. - Bedeutete  sie ihm, dass sie für sich keine Perspektive mehr gesehen habe, oder sprach sie davon, genug davon zu haben, wie ihr unterschiedlich überfordertes Pflegepesonal zu Diensten sei, wie immer mehr Eigenständigkeit verloren werde und sie den Besuchern, Ehemann, Sohn und anderen, an den Wochenenden die Anstrengung förmlich im Gesicht ansah, die sie si zu kosten schien, sich für paar Stunden in ihrer Gesellschaft zu befinden... Man bekommt eine überempfindliches Gespür für dieses vorgebliche Verstellen, dieses sich fein abzeichnende Unwohlsein, ein flüchtiges  Augenrollen, ein kalter, ja auch ein angewiderter Blick.. Und der Sohn. -. Das eigene Kind, wie gross er ist, neulich sprachen uns Besucher an, hielten uns für Geschwister. - Er ist mir nahe und ann wieder fern.- Ich hoffe, dass er seinen Weg findet und sich auch als heranwachsender Mann anders bewährt.- Er spricht ungern über seine Gefühle, da verhärtet sich etwas, aber er hat Ideale, die mich erröten und hoffen lassen. - Der Gedanke, dass ich es nicht mehr erleben werde, wenn er einmal eine Familie gründen wird... Ist sie dabei laut geworden, war sie den Tränen nah, hat er vielleicht dann ihre Hand ergriffen, als sie andeutete, wenn es nach ihr, nur nach ihr gehen würde, könne es Schluss sein, schon morgen, brauche es keines Aufschubes mehr.- Hat sie vielleicht gefragt, ob bereits dieses Daran-Denken sich verbiete, weil es  das Geschenk des Lebens missachte.., Leben-- Und hat er, der brave Pfarrer, daraufhin entgegnet, sie sei doch nicht allein, verfüge doch über einem Ehemann, einen Sohn, eine Mutter, und habe sie darauf- nach längerer Pause entgegnet, - tja, das stimme schon, das liesse sich nicht abstreiten, der eine sei ihr Mann, den sie als Künstler so wie am ersten Tag schätze, der sich aber von Anbeginn als komplett überfordert gezeigt habe, als ihre Behinderung  immer mehr Anstrengungen und Verändeungen eingefordert habe.- Dabei habe sich ihr Ehemann in etwa so verhalten wie viele andere Freunde und Kollegen. - Man wünsche sich aber, dass sich der eigene Partner besonders in der Not bewährt, über sich hinaus wachse, dass das Unmögliche versucht werde. - Dass Daedalus der Sonne entgegen.. Dürfe sie denn ganz ehrlich mit ihm reden, habe er denn Zeit dafür? -

Das habe ihr Mann nicht gekonnt und auch nicht genug gewollt, sich darauf als Aufgabe, als Herausforderung einzulassen.-

Jahrelang sei sie als tolpatschig angesehen, ja fast verspottet worden, wenn sie einfach ohne ersichtlichen Grund hingefallen, gestolpert, über die eigenen Beine, vom Rad gefallen sei. - Ja, die Renate schon wieder, das sehe ihr ähnlich,.. und die ganzen Eier sind hin.- Unverständnis, und wenn überhaupt, patschert, da war noch keine Ahnung davon, als was es sich einmal herausstellen würde. - Ende der sechziger Jahre kam eine ganze Generation in Bewegung, nur bei ihr versteiften sich die Gelenke, Taubheit, die sich in einem Fuß einrichten würde... Du steckst nicht drin, fremdelnder Fuß,... Gleichzeitigkeit: Den Lehrerinnenberuf hatte sie einst als Brotberuf für die Familie ergriffen, ganz humorlos, das war ihr Opfer, die Künstlerin in ihr habe still zu sein, um dem Mann sein Künstlertum zu erleichtern.- Er habe das verdient, weil er Talent habe, talentierter sei, als Kunstmaler aufzutreten und sich darin zu behaupten, fiele ihm leichtter.- Bei einer Frau nehme man diese gleiche Haltung doch nicht ernst, das sei eine Marotte, indem Frauen allein dem Gefühl gehorchen würden. Frauen sähen sich dem Verdacht ausgesetzt, (Tagebuch)... Aus dem mit einem für sie schwierigen Studium abgerungenen Brotberuf wurde ein, wurde ihr Lebensinhalt. - Trotz der beginnenden, schleichenden Schwäche in den Beinen, den Müdigkeitsschüben, der Kraftlosigkeit, waren es vielleicht die schönsten Jahre. - Die Kinder dankten es ihr, indem sie mit sanfter Radikalität diesem neuen Denken entsprach. - Diese Anerkennung in ihrem Beruf wertete sie auf vor dem Hintergrund einer schwierigen Ehe.- Nein, ihr habe es nicht an den radikalen , aber in gerade in diesen Jahren entfernte sich der Mann von ihr. - Und das Alter schlug ins Kontor... Plötzlich habe der Mann - über den Altersunterschied hinweg - auf der anderen Seite gestanden.- Sie habe als Kleinkind, mit dreieinhalb Jahren des Kriegsende 1945 erlebt, als sie mit einem Leiterwagen durch die Trümmerstädte gezogen wurde, während er kurz vor Kriegsende in dem Lazarett, nach einer Schussverwundung, in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten sei. - Gerade kein Kind mehr, aber zu jung, um wirklich... etwas gemacht haben zu können... Aber er hatte die Uniform der Nazis getragen und roch nach Krieg, wenn das Wetter umschlug.- Es war eine schwere Zeit, es reichte ihr nicht, warum konnte er sich ihr gegenüber nicht öffnen, nicht darüber sprechen. - Warum fiel ihm nichts ein, als es in Franfurt zu diesen Prozessen kam...

 

Sie sei gerade im dreissigsten Jahr gewesen, als sie lernen musste, dass ihr Mann sich von ihr als zu begeherende Frau nach und nach entfernte - und sich unweigerlich anderen Frauen zuwenden werden würde.- Man spreche darüber nicht, denn schliesslich seien Menschen an Krücken, im Rollstuhl neutrale, geschlechtslose Wesen... 

Es kommt mir etwas seltsam vor, wenn ich mich an den Tag vor 38 Jahren erinnern will

 

 

 
       
    Sie lernt den Kunst- und Bühnenmaler Josef Hauzenberger in München kennen. -
Sie selbst war mit einer Mappe von ersten Werken, Zeichnungen, Aquarellen nach München gekommen um sich bei der Akademie der Künste zu bewerben.
Dort wird sie mit dem Spruch desillusioniert:
Sie meinen, Sie sind schon eine fertige Künstlerin?
der einen kurzen Blick auf die ausgebreitet Mappe wirft.

In zweiter Ehe verheiratet
Aber nichtsdestotrotz war der fast um eine Generation ältere Hauzenberger vergleichsweise ein etablierter Kunstmaler. -
 
 

 

It's very complicated.- If someone dies after a longtime disease at the age of 38 - and if in this case the person is also a very closed member of your familiy, there is no reason If the diseased person represses the personality.
 

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